Ernst August Staatsanwalt prüft "Bild"-Anzeige
Hannover - Abschriften von Telefongesprächen mit Redaktionsleiterin Anne-Kathrin Berger seien den beiden Anzeigen beigefügt, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Thomas Klinge. Nun müsse geprüft werden, ob der Gesprächspartner tatsächlich Ernst August war. "Wir werden ihn danach fragen", sagte Klinge. Den Abschriften seien "deutliche Beleidigungen" zu entnehmen.
Der Prinz hatte die Redaktion der "Bild"-Zeitung in Hannover nach deren Darstellung am Sonntag mehrfach angerufen, um sich über die Berichterstattung des Blattes zu beschweren. Bei dem auf eigenen Wunsch des Prinzen auf Tonband aufgezeichneten Gespräch habe er die Redaktionsleiterin mehrfach beleidigt und bedroht. Sowohl Anne-Kathrin Berger als auch der "Bild"-Chefredakteur Udo Röbel zeigten Ernst August daraufhin an.
Die "Bild"-Zeitung hatte berichtet, Ernst August habe auf der Weltausstellung am vergangenen Donnerstag, dem Nationentag des Fürstentums Monaco, gegen die Holzfassade des türkischen Pavillons uriniert. Das Blatt berief sich auf eidesstattliche Erklärungen von zwei Augenzeugen.
Nach Angaben der türkischen Botschaft in Berlin hat der Prinz dort noch am Wochenende angerufen, um die Berichte zu bestreiten. Der Aristokrat habe seinen Respekt gegenüber der Türkei und den Türken bekundet und gesagt, er fahre gerne in den Urlaub in das Land.
Auch die Staatsanwaltschaft bemüht sich nach Klinges Worten um eine persönliche Stellungnahme des Prinzen, kenne jedoch dessen derzeitigen Aufenthaltsort nicht. "Bild" zufolge befindet er sich in einer teuren Privatklinik. Ernst August könne sich aber auch über einen Rechtsanwalt äußern. Falls er die Telefonate mit der "Bild"-Redaktion bestreitet, könnten die Tonbandmitschnitte einer kriminaltechnischen Untersuchung unterzogen werden.