Eroberung zum Billigtarif
Berlin - Die Hochwasser-Welle der Elbe bewegt sich allmählich von Dresden aus nach Norden. Am Sonntag wurde das zwölfte Todesopfer geborgen. Experten schätzen die Schäden inzwischen auf eine zweistellige Milliardensumme.
Bitterfeld: Einsatzfahrzeug des Technischen Hilfswerkes
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Zeltlager bei Pirna: 10.000 Menschen sollen hier in den kommenden Wochen unterkommen
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Überflutete Straße bei Riesa
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Hunderte Helfer stapeln bei Dessau Sandsäcke
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Per Helikopter werden Sandsäcke nach Bitterfeld geflogen
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Stadtzentrum von Dresden: Der Pegel sinkt
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Die sächsische Stadt Döbeln liegt teilweise in Trümmern
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Helfer an einem Damm bei Bitterfeld
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Einsatzkräfte im überfluteten Pirna
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Trotz sinkender Pegel wurde am Sonntag direkt bei der sächsischen Stadt Torgau ein Damm überspült, das Wasser überflutete nach Angaben des sächsischen Krisenstabes Teile eines Wohngebiet. Die Helfer hatten unermüdlich versucht, die durchnässten Dämme zu halten. Die Bundeswehr flog mit Hubschrauber Sandsäcke heran. "Es ist ein Wunder, dass die durchnässten Dämme überhaupt so lange gehalten haben", sagte ein Sprecher des Krisenstabes in Dresden. Ob die Stadt noch überflutet wird, blieb unklar. Der Scheitel des Hochwassers hatte Torgau am Morgen passiert. Die zur Hälfte geräumte 20.000-Einwohner-Stadt beherbergt eine spätgotische Kirche mit wertvollen Kunstschätzen.
Auch in Wittenberg (Sachsen-Anhalt) durchbrachen die Fluten in der Nacht einen Deich, das Wasser überflutete den Stadtteil Pratau, erreichte zunächst aber nicht das höher gelegene historische Zentrum der Lutherstadt. Im Raum Dommitzsch elbabwärts hinter Torgau gab es den Behörden zufolge bereits vor der Ankunft des Scheitels Deichüberspülungen.
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In der evakuierten Stadt Mühlberg, wo die Helfer über Tage versucht hatten, die Dämme mit Sandsäcken zu sichern, blieb die Lage stabil. Die Elbe sei zwar randvoll. "Aber der Deich hält", hieß es. "Ein Stückchen Glück" nannte Ministerpräsident Matthias Platzeck die Tatsache, dass Mühlberg selbst bisher nicht überflutet wurde: "Jede Stunde, die der Deich gehalten wird, ist auch Schadensminimierung, da die Wasser sinken und die Gebäude länger trocken bleiben." In frühestens zwei Tagen könne man damit rechnen, dass der Fluss um einen Meter gesunken sei. Das sei die Untergrenze, an der man überhaupt an ein Aufatmen denken könne, sagte Platzeck.
Nördlich von Mühlberg verläuft ein horizontaler Riss auf 16 Metern Länge am Deichfuß entlang, sagte ein Sprecher des Krisenstabs am Sonntagmittag. Die Helfer versuchen die Lücke mit Sandsäcken zu schließen. Die Bruchstelle befindet sich nahe Stehla rund fünf Kilometer nördlich von Mühlberg, teilte Landrat Klaus Richter mit. Bundeswehr und Feuerwehr kämpfen mit schwerem Gerät gegen den Wassereinbruch. Mit Lastwagen werde Sand und Kies gebracht, um den Damm vor dem Abrutschen zu bewahren. Die Bundeswehr setzte Bergepanzer und Hubschrauber ein. Sollte die Flut nicht gestoppt werden, sei auch das Gebiet um Mühlberg in akuter Gefahr, hieß es.
In Pirna floss das Wasser aus der Innenstadt inzwischen ab. In Bitterfeld stabilisierte sich die Lage am Sonntag. "Es gibt zwar noch einzelne Brennpunkte, aber insgesamt ist die Lage derzeit stabil", sagte ein Sprecher der Einsatzleitung. Auch der Damm, der die Bitterfelder Innenstadt vor einer Überflutung schütze, habe bislang gehalten. Teile der Stadt waren gleichwohl überflutet. Für den Chemiepark Bitterfeld bestehe weiter keine akute Überschwemmungsgefahr. Problematisch sei aber der Bereich des Flusses Mulde, wo immer noch auf einer Breite von 150 Metern Wasser in die hinter dem Damm liegende Region fließe. Helfer versuchten, die Lücke zu schließen. Im Minutentakt legten Hubschrauber der Bundeswehr große Netze ab, in denen sich Sandsäcke befanden.
In Sachsen-Anhalts Hauptstadt Magdeburg gehen die Behörden inzwischen nicht mehr davon aus, dass die anrollende Elbeflut die Innenstadt überschwemmt. Das Hochwasser werde mit 6,80 Meter voraussichtlich nicht so hoch sein wie befürchtet. Es bestehe aber die Gefahr, dass die Elbdeiche sich mit Wasser vollsaugen und brechen. Noch immer müssen sich aber 20.000 Magdeburger für eine mögliche Evakuierung bereithalten. Der Zoo der Stadt verlegte seine Tiere, um sie vor den Fluten zu schützen.
In der sächsischen Landeshauptstadt Dresden ging das Hochwasser zurück, und allmählich wird dort das Ausmaß der Verwüstungen deutlich. "Wir erleben die schwierigste Zeit seit Februar 1945", sagte Oberbürgermeister Ingolf Roßberg mit Blick auf die Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg.
In den norddeutschen Bundesländern liefen am Sonntag entlang der Elbe die Vorbereitungen für die Mitte der Woche erwartete Flutwelle auf Hochtouren. Tausende von Hilfskräften waren nach Angaben der Behörden in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig Holstein dabei, mit Sandsäcken die Deichkronen zu erhöhen. "Noch sind die Pegelstände völlig in Ordnung. Wir warten auf das Hochwasser", sagte ein Polizeisprecher.