Erpressungs-Versuch Krimi-Autor scheitert als Ganove
Essen - Jeweils 250.000 Euro hatte der 59-jährige Autor aus Köln von den Konzernen KarstadtQuelle und Metro gefordert. Andernfalls, so drohte er, werde er Lebensmittel vergiften. "Das Szenario war abrufbereit, weil ich auch Krimis schreibe", erklärte der Beschuldigte dem Essener Landgericht.
Mit der Detailfreude eines Krimi-Autors für "seinen" Fall fuhr der Kölner nach Bremen, Dortmund, Bonn und Düsseldorfer und versah dort in verschiedenen Konzernfilialen Gurken- und Senfgläser mit Warnhinweisen. Auch die Geldübergabe hatte er schon geplant: Acht Boten mit jeweils 250.000 Euro Lösegeld in der Tasche sollten quer durch Deutschland geschickt werden, um die Polizei in die Irre zu führen.
Geschnappt wurde der Mann schließlich, weil er zu leichtsinnig war, wie er vor dem Gericht selbst einräumte. Bei seiner Kontaktaufnahme über E-Mail mit den Lebensmittelkonzernen habe er am Ende immer dieselben Internet-Cafés in der Kölner Innenstadt benutzt. Die Fahnder konnten die Absende-Orte ausfindig machen und den Erpresser sechs Tage vor der geplanten Geldübergabe festnehmen.
Als Motiv gab der 59-Jährige Geldnot an. Er und seine Frau hatten nach erfolgreichen Börsengeschäften 230.000 Euro verdient und darauf hin ihre Jobs gekündigt, um sich ganz dem Schreiben und Malen zu widmen. Bei Risikogeschäften an der Börse verlor das Kölner Ehepaar das gesamte Vermögen jedoch wieder. Schließlich sei ihm die Idee gekommen, seine Kreativität nicht für ein Buch, sondern für den Erpressungsversuch zu verwenden. "Es war eine verführerische Idee", sagte der Mann den Richtern.
"Der Angeklagte hatte alles minutiös vorbereitet", hieß es in der Urteilsbegründung der 6. Strafkammer. Er habe seine Fantasie spielen lassen und anschließend einen genauen Tatplan entworfen. "Dazu brauchte er nur abzurufen, was er schon geschrieben hatte", erklärte Richterin Brigitte Anhut.
Der Angeklagte bleibt nach der Urteilsverkündung direkt in Haft. Die Richter argumentierten, dass eine Flucht des phantasievollen Schriftstellers nicht ausgeschlossen werden könne. Allein die Essener Polizei kostete die bisherige Fahndung 230.000 Euro.