Erste Anhörung: Punktsieg für Barbara Becker - DER SPIEGEL
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Erste Anhörung Punktsieg für Barbara Becker

Ob es eine Gerichtsverhandlung in den USA geben wird, ist noch nicht entschieden. Doch wenn es sie gibt, wird sie öffentlich sein. Bei der ersten Anhörung in Sachen Becker versus Becker geriet der einstige Tennisstar in arge Bedrängnis.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Auf eine halbe Stunde war die Verhandlung angesetzt. Doch aus der angeblichen Routinesache wurde der erste Verhandlungsmarathon der Beckers. Allein der erste Durchgang vor dem Miami Dade Court dauerte vier Stunden und gab einen Vorgeschmack auf kommende Schlachten zwischen Boris und Barbara Becker vor dem Gericht. Ob es die geben wird, entscheidet Richter Maynard Gross allerdings erst am Montag.

Um 10:41 Ortszeit (16:41 MEZ) beginnt der erste Termin ganz unspektakulär. Alle Parteien betreten den holzgetäfelten Saal. Neben Becker und seinen beiden Anwälten Robert Kohlman und Don Hayden sitzen die Vertreter seiner Frau. Sie ist nicht im Saal. "Unterwegs mit den Kindern", sagt Becker später. Boris Becker hebt die rechte Hand. Seine Personalien: "Mein Name ist Boris Franz Becker." Dann schwört er den Eid. Die ganze Zeit übersetzt von einem Dolmetscher.

Die erste halbe Stunde darf Boris Becker noch fast ungestört seine Sicht der Dinge erzählen. Gemeinsam mit seinen Anwälten will er versuchen, die Öffentlichkeit von dem Verfahren auszuschließen. Für Amerika ein sehr ungewöhnlicher Vorgang. Sein Argument: "Ich habe Angst um meine Kinder und meine Frau, wenn alle Details über unser Leben hier öffentlich gemacht werden", sagt er. Außerdem dürfe er auf Grund von Vertraulichkeitsklauseln in seinen verschiedenen Arbeitsverträgen über diese keine Auskunft geben. Seit er 1985 Wimbledon gewonnen habe, sei er immer wieder bedroht worden. Und es nehme zu, seit die beiden Kinder da sind. Becker sagt, "seit wir sie haben".

Nach einer halben Stunde läuft Burstyn warm

Doch lange hält die Ruhe nicht. Sofort steigt der Anwalt von Barbara Becker, Samuel Burstyn, ein. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit hakt der redegewandte Jurist nun ein. Mit immer wiederkehrenden Fragen nach den vielen Verträgen von Boris Becker und seiner Sportmarketingfirma. Und warum das alles vertraulich sei. Oder ob "Mister Becker vielleicht die Konten nicht offen legen will, weil er ein Problem mit der deutschen Steuer wegen seines Schweizer Ablegers befürchtet." Viele der Fragen von Burstyn werden zwar von dem leicht gelangweilt wirkenden Richter Gross abgewiesen. Doch sie wirken trotzdem.

Boris Becker gerät den ersten zwei Stunden der zähen Verhandlung aus der Rolle des Zeugen mehr und mehr in die eines Angeklagten. Immer wieder zweifeln die Anwälte von Barbara Becker seine Aussagen an und fragen bei jeder Gelegenheit nach - ganz nach amerikanischer Art.

Becker im dunklen Anzug mit hellblauem Hemd wird von Frage zu Frage nervöser, nestelt an seiner grauen Krawatte. Ein bisschen erinnert er an den Boris, von dem er manchmal spricht. Von seiner Zeit als Tennisspieler. Als er noch ein kleiner Junge mit großem Talent war. "Ich habe damals mit Ion Tiriac gearbeitet", sagt er, als ob sein vaterähnlicher Entdecker ein Partner gewesen sei. Welche Position in der Weltrangliste er denn erreicht habe, fragt der Anwalt spöttisch. "Eine Zeit lang war ich die Nummer eins", sagt Becker. Darauf kommt keine Nachfrage.

"Der Name Boris Becker und BB sind mittlerweile Marken weltweit geworden", sagt Boris und dass er, seine Kinder und seine Frau nirgends ohne Schutz hingehen könnten. Er versucht weiter, über das Argument der Sicherheit die Öffentlichkeit aus dem gerichtlichen Kampf mit seiner Noch-Ehefrau rauszuhalten. "Die Geschichte Becker gegen Becker ist in Deutschland jeden Tag das Thema", sagt er, und das würde bei einer öffentlichen Verhandlung noch schlimmer.

Barbara Beckers Anwalt hakt nach

Da hakt der Anwalt von Barbara Becker wieder nach. Wie denn der Wunsch nach Diskretion mit den beiden öffentlichen Erklärungen Beckers über seine Trennung zusammen passe, will Samuel Burstyn wissen. Und vor allem, wie es denn sein könne, dass eine Sprecherin von Beckers Anwaltskanzlei gestern gegenüber amerikanischen Zeitungen Aussagen zu dem Fall gemacht habe. Ein weiteres Argument der Anwälte: Wenn Becker so sehr auf Diskretion Wert lege, warum habe sein Anwalt dann einer Petition für das Gericht den Ehevertrag der Familie beigelegt, obwohl er hätte wissen müssen, dass dieser so für die Presse zugänglich werde.

Becker bleibt stur. "Ich habe Angst um meine Kinder", wiederholt er bei mehreren Fragen, auch wenn diese nicht darauf zielten. In langen Ausführungen erklärt er, dass er bereits oft bedroht worden sei und ihm "überall wo ich hinfahre", eine Eskorte von Kriminellen folge, die es auf seine Kinder abgesehen hätten. "Seit mein großer Bub geboren ist, hat das noch zugenommen", sagt Becker. Vor zwei Jahren sei er auch in Florida, bei einem Tennisturnier, bedroht worden. Die Anwälte bezweifeln durch ihre Nachfragen immer wieder die Aussagen von Becker. "Schließlich hat er den Fall nur den Sicherheitsleuten vom Turnier und nicht der Polizei gemeldet", fasst Richter Gross später zusammen.

Drohanruf beim Bodyguard

Auch die Aussage von Beckers Leibwächter Thomas Herbst wollen die Anwälte nicht glauben. Der Bodyguard sagt aus, er habe in der Nacht zu Donnerstag zwei Drohanrufe erhalten, die seine Zeugenaussage vor Gericht beeinflussen wollten. Mit ihren bohrenden Fragen, zum Beispiel warum er denn die Caller-ID nicht eingeschaltet habe, bringen sie Beckers Leibwächter schließlich zu der Aussage, dass die Familie Becker "relativ sicher" sei. Auch nicht gerade eine Stütze für die Beckers These von der Gefahr für seine Familie.

Richter Maynard Gross lässt sich schließlich auf die Argumentation von Boris Beckers Anwälten nicht ein. Er gibt zwar in einigen Punkten nach, doch grundsätzlich wird das Verfahren vorerst weiter öffentlich geführt. Einzige Ausnahmen: Alle Punkte, die die Sicherheit der Beckers gefährden könnten. "Adressen, Details aus den Sicherheitsvorkehrungen und vertrauliche Verträge werden unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt, der Rest bleibt öffentlich." Das sind die letzten Worte von Maynard Gross, bevor er die Verhandlung schließt.

Barbara Beckers Anwälte zeigen sich am Ende zufrieden und sprechen von einem ersten Erfolg. Verwundert zeigen sich Burstyn und sein Partner Marks über die Gegenseite. "Warum die das Verfahren so in die Länge ziehen, versteht doch kein Mensch", tönt er vor Journalisten. Die Verlierer geben sich ebenfalls optimistisch. "Ich hoffe, dass die Sache am Montag ein Ende hat", sagt Robert Kohlman vor dem Verhandlungssaal und hofft, dass Richter Gross die Klage am Montag nach Deutschland zurückverweist.