Eschede: War die Katastrophe vermeidbar? - DER SPIEGEL
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Eschede War die Katastrophe vermeidbar?

Das Zugunglück von Eschede hätte angeblich verhindert werden können. Zum Abschluss der Untersuchungen über die Katastrophe fehlt der Staatsanwaltschaft noch ein Gutachten.
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Lüneburg - Wenn die Bahn zahlreiche Warnhinweise ernst genommen und entsprechend gehandelt hätte, wäre die Katastrophe womöglich vermeidbar gewesen, behauptet das Magazin "Stern". Der ICE 884 sei in der Nacht vor dem Unglück im Münchner ICE-Werk planmäßig inspiziert worden. Dabei hätten sich Abweichungen an dem später gebrochenen Rad ergeben.

Das ICE-Radreifen-System, das als Ursache für das schwerste Eisenbahnunglück in der Geschichte der Bundesrepublik gilt, sei von der Bahn ungenügend getestet, vorschnell eingeführt und mangelhaft gewartet worden. Außerdem sei der gebrochene und entgleiste Radreifen viel zu weit abgefahren gewesen.

"Die Messung hat eine Abweichung von 1,1 Millimeter von der ideal runden Form gezeigt", bestätigte zwar Jürgen Wigger, Oberstaatsanwalt in Lüneburg. Das aber sei "nicht relevant" für die Ermittlungen gewesen, "weil die Messungen letztendlich nach den Vorschriften nur dem Komfort dienten", sagte Wigger. Heftiges Rütteln und Poltern in dem ICE war als "Komfortproblem" eingestuft worden und wurde nicht als Folge eines unrund gelaufenen Rads angesehen.

Mehr als drei Jahre nach dem Zugunglück warte die Behörde nun nur noch auf einen Bericht der Technischen Universität Braunschweig, um die Ermittlungen abschließen zu können. In Eschede war am 3. Juni 1998 der ICE "Wilhelm Conrad Röntgen" nach dem Bruch eines Radreifens entgleist. 101 Menschen kamen dabei ums Leben. Wigger rechnet mit der Erhebung der Anklage gegen drei Verantwortliche der Bahn und des Reifenherstellerwerks in Bochum noch in diesem Jahr.