Evangelischer Kirchentag Schattengipfel mit Karnevals-Flair
Köln - Außenminister Frank-Walter Steinmeier unterbrach für den Kirchentag den G-8-Gipfel in Heiligendamm. Er gab den Startschuss zum Kirchentag und forderte ein besseres Verständnis und Miteinander der Kulturen. "Wir sitzen alle in einem Boot, egal ob reich oder arm", fügte der Minister hinzu. Er wünsche sich, dass diese Botschaft auch vom Kirchentag ausgehe. Nur mit einer weltumspannenden Solidarität könnten die Probleme auf der Erde gelöst werden, sagte Steinmeier.
Am heutigen ersten Tag kamen Tausende Gläubige zu mehreren Eröffnungsgottesdiensten zusammen. Zehntausende feierten zum Teil ausgelassen auf Straßen und Plätzen rund um den Kölner Dom. Der Duft von Grillwürsten, orange-farbene Tücher, Rockmusik und Kabarret-Auftritte verliehen dem Eröffnungstag eine karnevalistische Atmosphäre. Bis Sonntag werden rund eine Million Besucher erwartet. Mehr als 3000 Veranstaltungen an 400 Orten auf dem Programm. "Die Frage nach dem Weg oder dem Klo" sei das größte Problem, das bisher zu lösen gewesen sei, teilt eine vierköpfige Polizeistreife vor dem Domportal mit.
Parallel zum G-8-Gipfel in Heiligendamm bilden die Auseinandersetzung mit den Folgen der Globalisierung und der Dialog mit anderen Konfessionen und Glaubensrichtungen die Schwerpunkte. Das Treffen steht unter dem Motto "lebendig und kräftig und schärfer".
"Dieser Kirchentag wird das öffentliche Antlitz des Protestantismus in seiner politischen und spirituellen Vielfalt zeigen", sagte Generalsekretärin Ellen Ueberschär unmittelbar vor der Eröffnung des Gläubigentreffens. Kirchentag bedeute, nach der Wahrheit unter den Bedingungen der Freiheit zu suchen. Sie verwies auf den zeitgleich stattfindenden G8-Gipfel in Heiligendamm. "Der Zaun, der die politischen Führungseliten von den Kritikern der Globalisierung trennt, ist zum Symbol für die Spaltung der Weltgesellschaft geworden", sagte sie. Der Kirchentag wolle ein deutliches Zeichen gegen die Frontenbildung in der Debatte um die Globalisierung setzen.
"Ich hoffe, dass der Kirchentag zeigt, wie viel glaubende, verändernde und heilende Kraft im christlichen Glauben und im Protestantismus steckt", sagte der Präses der gastgebenden Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider. Auch bräuchten die Menschen Orientierung, wie sie die Zukunft der Welt gestalten sollten. "Was wir dabei als gut und richtig erkennen, erbitten wir nicht zuletzt auch für die politisch Verantwortlichen der G8-Staaten", betonte Schneider.
Unmittelbar vor Beginn des Kirchentags forderten führende Vertreter von sieben Weltreligionen von den Führern der G8-Staaten ein entschlosseneres Vorgehen gegen die Armut auf der Welt. Beim G8-Treffen in Heiligendamm müssten Strukturen geschaffen werden, damit sich Menschen für ihr eigenes Wohlergehen und das der anderen einsetzen könnten, heißt es in dem "Ruf aus Köln". An der Konferenz hatten rund 45 prominente Vertreter von Christentum, Islam, Judentum und Buddismus teilgenommen. Auch Repräsentanten von Hinduismus, Shintoismus und indigenen Religionen Nordamerikas waren vertreten.
reh/dpa/ddp