Explosion auf Öltanker Terror-Anschlag vor dem Jemen?
Sanaa - Das Großfeuer brach sofort nach der Explosion am Sonntagmittag auf dem französischen Öltanker aus. Insgesamt 24 der 25 Besatzungsmitglieder der "Limburg" wurden nach Angaben der Reederei in Sicherheit gebracht. Ein Besatzungsmitglied werde vermisst.
Zunächst deutete nichts auf einen Terroranschlag hin, doch schnell berichtete der arabische TV-Sender al-Dschasira unter Berufung auf französische Diplomatenkreise, es handele sich möglicherweise um einen Terrorakt. Marcel Goncalves, stellvertretender Konsul der französischen Botschaft, sagte, der Tanker sei mit einem Sprengboot gerammt worden, dass möglicherweise von Terroristen gesteuert wurde. Auch der Direktor des Schiffseigners Euronav, Jacques Moizan, sagte im Sender France-Info, die Explosion sei nach seinen Erkenntnissen vorsätzlich ausgelöst worden. Nach Angaben des Euronav-Verwaltungsdirektors Alain Ferre hat der Kapitän ein kleines Fischerboot auf den Tanker zufahren sehen. Es sei kaum vorstellbar, dass ein solch kleines Boot ein derart große Explosion auslösen könne, wenn es keinen Sprengstoff an Bord gehabt habe.
Jemenitische Behörden schlossen dagegen einen Anschlag aus. "Das Feuer auf dem französischen Schiff 'Limburg' wurde durch eine Explosion in einem der Tanks verursacht, die einen riesigen Brand auslöste", sagte Verkehrs- und Marineminister Saeed Jafai der amtlichen Nachrichtenagentur SABA.
Schiffe der internationalen Flotte, die seit einigen Monaten alle Seewege rund um die arabische Halbinsel überwachen, um Waffenschmuggel und terroristische Aktivitäten zu unterbinden, waren zum Zeitpunkt des Unglücks nicht in der Nähe. Michael Koch, ein Pressesprecher des Deutschen Marineverbandes in Dschibuti, sagte: "Der Hafen von El Schahr gehört nicht zu unserem Einsatzgebiet, sondern befindet sich in jemenitischen Hoheitsgewässern."
Ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums erklärte, die Schiffe der internationalen "Task Force" lägen etwa zehn Stunden Fahrzeit vom Unglücksort entfernt. Frankreich habe eine seiner dort stationierten Fregatten entsandt, um Hilfe zu leisten.
Zur Vorbereitung auf den Einsatz am Horn von Afrika gehörten für die deutschen Soldaten unter anderem Manöver, bei denen die Verteidigung größerer Schiffe gegen Schnellboot-Selbstmordattentate geübt wurde.
Die Angst vor einem Terror-Anschlag hat konkrete Gründe. Vor zwei Jahren waren bei einem ähnlichen Anschlag auf den amerikanischen Zerstörer "USS Col"e im Hafen der südjemenitischen Stadt Aden 17 US-Soldaten getötet worden. Auch damals hatte ein mit Sprengstoff beladenes Kleinboot den Zerstörer gerammt.
Washington macht die Terrororganisation al-Qaida von Osama Bin Laden für den Anschlag verantwortlich. Internationale Geheimdienste gehen ebenfalls davon aus, dass die gesetzlosen Gegenden des Jemen ideale Rückzugsräume für die Terror-Organisation sind. Deshalb trainiert die US-Armee seit Monaten die jemenitische Polizei im Anti-Terror-Kampf. In den letzten Tagen gab es gar Gerüchte, dass Osama Bin Laden sich in den Jemen abgesetzt hätte.