Explosion in Enschede: Weitere Opfer befürchtet - DER SPIEGEL
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Explosion in Enschede Weitere Opfer befürchtet

Auch einen Tag nach der verheerenden Detonation im niederländischen Enschede ist das gesamte Ausmaß der Katastrophe noch unklar. Die Behörden gehen von 20 Toten und mehr als 550 Verletzten aus. Rund 200 Menschen werden noch vermisst.
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Enschede - Bis Sonntagnachmittag konnten 14 Tote identifiziert werden, darunter mehrere Feuerwehrleute. Experten schließen Brandstiftung als Unglücksursache nicht aus. Über den Verbleib der 200 Vermissten konnten Behördenvertreter zunächst keine Aussage machen. Viele der Vermissten könnten allerdings auch auf Urlaubsreisen oder bei Freunden und Verwandten sein, hieß es.

Die Einsatzkräfte rechnen nicht damit, noch Überlebende zu finden. "Dafür liegen die Trümmer zu flach auf dem Grund", sagte eine Hundeführerin. Gerüchte über angebliche Klopfzeichen unter den Trümmern bestätigten sich nicht.

Die Katastrophe hatte Samstagnachmittag mit einem Feuer auf dem Gelände der Fabrik S.E.Fireworks begonnen. Dann gab es zwei gewaltige Explosionen, das rasend ausbreitende Feuer verwüstete einen ganzen Stadtteil. Vermutlich detonierten 100 Tonnen Sprengstoff.

In der Fabrik ist nach Angaben der Stadtverwaltung unmittelbar vor der Katastrophe nicht gearbeitet worden. Das Unternehmen S.E.Fireworks hat in den vergangenen Jahren große Feuerwerke unter anderem bei Konzerten von Popstars wie Prince organisiert.

Bei einem Gang durch das Wohngebiet, in dem die Fabrik lag, waren die niederländische Königin Beatrix und Regierungschef Wim Kok am Sonntag tief betroffen. In den zerstörten Häusern waren noch gedeckte Tische zu sehen, herausgeschleuderte Stühle lagen auf den Straßen. Alles war total verwüstet. Von vielen Häusern blieb nur eine hüfthohe Mauer stehen.

Noch immer lag Brandgeruch über dem Viertel, Feuerwehrleute bekämpften auch am Sonntag noch Brandnester. Spürhunde suchten nach weiteren Opfern. Helfer gruben mit bloßen Händen in den Trümmern nach Vermissten.

Nach den Worten des Bürgermeisters von Enschede, Jan Mans, kann Brandstiftung nicht ausgeschlossen werden. Konkrete Hinweise gebe es aber nicht. Wie der Leitende Oberstaatsanwalt Roelof Manscot dem deutschen Fernsehsender n-tv bestätigte, wird auch in diese Richtung ermittelt. Anlass für die Vermutung waren zwei Großbrände der letzten Tage, bei denen Brandstiftung für möglich gehalten wird.

Bei strahlendem Sonnenschein hatten sich am Samstag Schaulustige in den Straßen des Stadtviertels gedrängt, als die ersten Knallkörper detonierten. Kurz darauf ließen gewaltige Explosionen die Erde beben. Feuerbälle stiegen mit dichten Rauchwolken hoch in den Himmel.

Ganze Straßenzüge in unmittelbarer Nachbarschaft wurden auf einen Schlag zerstört, auch noch an entfernt liegenden Gebäuden entstand schwerer Schaden. "Wie deutsche Städte nach Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg", meinte ein TV-Reporter. Innenminister Klaas de Vries sprach von einer "Katastrophe unvorstellbaren Ausmaßes".