Explosion in Inzell Staatsanwaltschaft vermutet Verzweiflungstat
Inzell - Was unter dem Trümmerberg noch identifizierbar ist, ist das Auto: Völlig ausgebrannt und verkohlt steht es da, halb vergraben unter umgeknickten Stahlträgern, unter Balken und Schutt.
Szenen wie nach einer Schlacht, mitten in der bayerischen Idylle der Gemeinde Inzell: Um zwei Uhr in der Nacht zum Mittwoch explodierte dort ein Einfamilienhaus, der 75-jährige Besitzer und seine 67-jährige Frau kamen ums Leben.
Von einer "vehementen Sprengkraft" spricht die Polizei. Wahrhaftig: Acht Häuser und zahlreiche Autos in der Umgebung wurden teils schwer beschädigt, Fensterstöcke wurden eingedrückt, in Wänden bildeten sich Risse. Trümmer des explodierten Hauses seien mehrere hundert Meter weit geflogen. Der Sachschaden wird auf mehrere hunderttausend Euro geschätzt.
"Es sieht hier aus wie auf einem Schlachtfeld", sagte Polizeisprecher Konrad Rutzinger. Es sei beinahe ein Wunder, dass in den umliegenden Gebäuden des Weilers Breitmoos, der zu Inzell gehört, niemand verletzt worden sei.
Bei der Suche nach der Ursachen richtet sich das Augenmerk der Ermittlungsbehörden auf das getötete Ehepaar. Am Vortag der Explosion soll die Zwangsversteigerung des Gebäudes gescheitert sein. Laut Amtsgericht Traunstein sollte die Immobilie am Dienstag für 540.000 Euro den Besitzer wechseln, das Höchstgebot von 270.000 Euro habe die Bank abgelehnt.
Dass die Explosion von den verzweifelten Eigentümern des Hauses absichtlich herbeigeführt worden sein könnte, wollte Rutzinger jedoch nicht bestätigen. Es werde "in alle Richtungen ermittelt".
Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Traunstein mitteilte, sei bei der Behörde am Mittwoch ein Brief eingegangen, in dem das Paar Ermittlungen zur Vorgeschichte der Versteigerung gefordert habe. Dies sei kein klassischer Abschiedsbrief gewesen, sagte der Sprecher. Die zeitliche Abfolge von Versteigerungstermin, Brief und Explosion deute aber darauf hin, dass das Paar die Explosion selbst verursacht habe. Eine Verzweiflungstat des Mannes und seiner Frau liege nahe. Die Staatsanwaltschaft Traunstein nahm die Ermittlungen auf.
Das Haus war nicht an das Gasnetz angeschlossen, wie Polizeisprecher Rutzinger erklärte. Eine Gasexplosion schließe dies aber nicht aus - es habe ja auch einen Tank oder Gasflaschen geben können. Noch werde ermittelt, wie in dem Haus geheizt worden sei.
Die Ermittlungen könnten sich einige Zeit hinziehen, erwartet Rutzinger. Man müsse nun nach Hinweisen suchen, was die Explosion ausgelöst haben könnte.
Dazu seien chemische Analysen nötig, die zum Beispiel Benzin oder Sprengstoff nachweisen könnten. Zunächst werden nun die Leichen der beiden Getöteten obduziert.