Explosion in Tunesien Augenzeugen zweifeln an Unfall-Version
Tunis - Am Morgen war der elfjährige Junge seinen schweren Verletzungen erlagen, gab das Auswärtige Amt in Berlin bekannt. Auch drei deutsche Urlauberinnen - eine aus Bayern, zwei aus Baden-Württemberg - sind unter den Toten. Nach Angaben der tunesischen Behörden erlag auch der tunesische Führer der deutschen Touristengruppe inzwischen seinen Verletzungen.
Die Verletzten werden in verschiedenen Krankenhäusern behandelt, die meisten erlitten Verbrennungen. Einige sollen noch immer in Lebensgefahr schweben. Derzeit prüfen die Ärzte, ob die Verwundeten nach Deutschland verlegt werden können.
Eine Augenzeugin, die sich zum Zeitpunkt der Explosion bereits in der Synagoge befunden hatte, sagte in einem Beitrag der "Tagesschau", es habe einen lauten Knall gegeben, dann sei die Tür der Synagoge zugeflogen. Später habe sie verbrannte Leichen gesehen. Einen Lastwagen habe sie dagegen nicht entdecken können. Sie könne sich keine andere Erklärung für die Explosion vorstellen als eine Bombe, sagte die sichtlich geschockte Frau nach ihrer Ankunft in Deutschland. Eine andere Augenzeugin sagte, es sei reines Glück, dass sie noch am Leben sei.
Nach Darstellung der tunesischen Nachrichtenagentur TAP hatte ein mit Gas befüllter Tankwagen den Bürgersteig vor der Synagoge gestreift und war dann in die Umfassungsmauer des jüdischen Gotteshauses gerast. Von der Unglücksstelle gibt es derzeit keine TV-Bilder oder Fotografien. Die Behörden erlauben es Journalisten nicht, sich in die Nähe der Synagoge zu begeben.
Die 45 Urlauber, die mit einem Bus zu einer Inselrundfahrt unterwegs waren, stammten aus Baden-Württemberg (2), Bayern (2), Berlin (3), Hamburg (2), Hessen (2), Niedersachsen (9), Nordrhein-Westfalen (11), Rheinland-Pfalz (3) und Schleswig-Holstein (11). Offenbar fand die Explosion in unmittelbarer Nähe des Busses statt, der vor der Synagoge geparkt hatte.
Auch TUI-Sprecherin Julia zur Weihen erklärte noch am Donnerstagnachmittag, die Explosion sei durch einen Unfall ausgelöst worden, es handele sich nicht um einen Anschlag. Auch der Präsident der Synagoge, Perez Trabelsi, vermutete einen Unfall. "Ein Anschlag hätte auf Menschen in der Synagoge gezielt", sagte er. Dagegen hatte Israels stellvertretender Außenminister, Michael Melchior, von einem gezielten antisemitischen Angriff gesprochen. Auch der arabische Nachrichtensenders al-Dschasira hatte verbreitet, es habe sich um eine Autobombe gehandelt.
Wegen Israels Offensive im Westjordanland hatte es in den vergangenen Tagen Proteste gegen Israel in arabischen Staaten gegeben.