Explosionen in Lagos Hunderte Tote durch Massenflucht
Lagos - Rettungsdienste und Angehörige hätten allein aus dem Oke-Afa-Kanal mehr als 200 Leichname geborgen, berichteten lokale Rundfunksender. Auch im benachbarten Pako-Kanal lagen nach Angaben von Helfern zwischen 200 und 300 Tote. Andere Augenzeugen schätzten die Zahl der Toten noch höher.
Die meisten der Fliehenden hätten nicht erkannt, wie tief das Wasser sei, berichteten Augenzeugen. Möglicherweise hatten die Menschen in dem Kanal Schutz gesucht und waren dort ertrunken. Im staatliche Fernsehen wurden am Montag Bilder gezeigt, wie die Bergungskräfte die Leichen neben den Kanälen aufschichteten. Unter den Toten sollen sich viele Kinder befinden, viele Familien wurden während der Massenflucht getrennt.
Wie viele Menschen bei der Explosion in dem Waffenlager selbst ums Leben kamen, war auch am Montagnachmittag nicht klar. Mindestens zwölf Soldaten sollen sich unter den Toten befinden. Das hatte ein Journalist der britischen Tageszeitung "Guardian" beobachtet, zudem seien zahlreiche Verletzte abtransportiert worden. Einer der auf dem Stützpunkt stationierten Soldaten sagte, er habe viele Leichen gesehen, als er vor den Explosionen geflüchtet sei.
Über die Ursache der heftigen Explosionen, die am Sonntagabend den Norden der Millionenstadt erschüttert hatte, gibt es unterschiedliche Angaben. Militärsprecher Felix Chukwumah erklärte, ein Feuer in einer Suppenküche habe auf ein Munitionsdepot übergegriffen. Ein Polizist sagte, die Serie von Detonationen sei offenbar von einer Explosion in einer Tankstelle verursacht worden.
Die Wucht der Detonationen hatte sogar noch in zehn Kilometer Entfernung Scheiben bersten lassen. Noch in den frühen Morgenstunden waren Explosionen zu hören.
Politische Hintergründe schloss Brigadegeneral John Anda aus. In dem Depot seien großkalibrige Artilleriegeschosse gelagert worden, geplante Modernisierungsmaßnahmen seien unglücklicherweise noch nicht umgesetzt worden.