Fährunglück: Hat die Crew versagt? - DER SPIEGEL
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Fährunglück Hat die Crew versagt?

Bei dem Untergang der Katamaran-Fähre "Sleipner" in Norwegen sind vermutlich 19 Menschen gestorben. Überlebende warfen der Schiffsbesatzung am Sonntag völliges Versagen bei den Rettungsaktionen vor.
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Oslo/Haugesund - In mehreren Zeitungen meldeten sich Augenzeugen zu Wort, die von völligem Chaos und Panik berichteten. Die acht Besatzungsmitglieder hätten nichts getan, um die wahrscheinlich 81 Reisenden rechtzeitig auf Rettungsinseln zu bringen. Das Schiff war am Freitagabend bei stürmischer See nördlich von Haugesund auf ein Felsenriff gelaufen und 42 Minuten später gesunken.

"Die Mannschaft vertraute einfach darauf, dass die Fähre stabil bleiben und die Evakuierung über Hubschrauber kein Problem sein würde", sagte der 21-jährige Björn Andre Helle in "Aftenposten". Wie auf der "Titanic" hätten auf das Oberdeck geflüchtete Passagiere sich dann an Schiffsteilen fest klammern und in das neun Grad kalte Wasser stürzen müssen, als der vordere Teil des 42 Meter langen Schiffes abbrach und die "Sleipner" innerhalb von zwei Minuten unterging.

Der Chef zuständigen Reederei HSD, Arne Dvergsdal, sagte: "Es sieht tatsächlich so aus, dass die Mannschaft die Lage falsch eingeschätzt hat." Unklar war auch noch zwei Tage nach dem Unglück, warum das erst im August in Dienst gestellte und mit modernster Navigationstechnik ausgerüstete Schiff stark vom vorgesehenen Kurs abgekommen war, als es auf Grund lief. Die Polizei wollte zur ersten Aussage des Kapitäns nach dem Unglück in einem Krankenhaus in Bergen keine Angaben machen.

Übereinstimmend erklärten Behördenvertreter, dass die Zahl der Opfer weit höher hätte ausfallen können, wenn nicht Freiwillige von 15 herbeigeeilten Schiffen geholfen hätten. Die Retter suchten unter Einsatz ihres Lebens auf kleinen Booten bei fünf Meter hohen Wellen und heftigem Sturm nach Passagieren der "Sleipner".

Während des Wartens auf Rettung riefen zahlreiche Reisende per Handy zu Hause an und berichteten über ihre zunehmende Angst in dem wegen Stromausfall dunklen Schiff. Eltern, Kinder oder Ehepartner an Land mussten dann nach dem Abbruch der Telefonverbindung mehrere Stunden warten, ehe sie die Mitteilung bekamen, ob ihre Angehörigen unter den Überlebenden waren oder nicht.

Das Wrack wurde in der Nacht zum Sonntag etwa 350 Meter von der Unglücksstelle entfernt in 99 Meter Tiefe geortet. Wie nach Untersuchungen mit Kameras aus einem unbemannten Mini-U-Boot mitgeteilt wurde, sind im Schiffsrumpf die Leichen von zwei Reisenden eingeschlossen.

Bei der Rettungsaktion sofort nach dem Unglück wurden elf Tote geborgen. Sechs der Opfer wurden bis Sonntag auch nach zweitägiger Suche mit mehr als 13 Schiffen im Unglücksgebiet noch immer vermisst. Es wurde aber nicht ausgeschlossen, dass diese Zahl sich wegen der Unsicherheit über die genaue Zahl der Passagiere noch nach oben oder unten verändern könnte.