Fährunglück Kapitän festgenommen
Athen - Von 44 Passagieren und Besatzungsmitgliedern der "Express Samina" fehlte am Mittwochmorgen noch jede Spur. Das 115 Meter lange Schiff war am späten Dienstagabend unweit der Kykladeninsel Paros auf ein Riff gelaufen, das weithin sichtbar markiert war. "Man muss blind sein, es nicht zu sehen", sagte der Chef der griechischen Küstenwache, Andreas Sirigos. Das Riff ist auf jeder Seekarte verzeichnet und mit Leuchtfeuern markiert.
Bei der Havarie schlug das 4407 Tonnen große Fährschiff leck, brach auseinander und ging in kurzer Zeit unter. Eine halbe Stunde nach Beginn des Unglücks sei nichts mehr von der "Express Samina" zu sehen gewesen, berichteten Augenzeugen.
Unter den Toten sind viele Kinder, wie der Leiter des Gesundheitszentrums auf Paros mitteilte, wo die Überlebenden registriert wurden. Möglicherweise begaben sich aber auch einige der noch Vermissten nach ihrer Rettung zu Verwandten oder in ein Hotel, ohne sich bei den Einsatzkräften zu melden.
An der Rettungsaktion beteiligten sich Schiffe der griechischen und der britischen Marine, die sich in einem Manöver befanden, sowie Flugzeuge und Hubschrauber. Auch zahlreiche Fischerboote suchten das Seegebiet nach Überlebenden ab, während Rettungsboote und Schwimmwesten an die Küsten von Paros gespült wurden. "Die See ist ziemlich rau. Sie suchen weiter die Klippen und die See ab", sagte ein Sprecher des britischen Verteidigungsministeriums. Ein Hafenbeamter in Paros erlag einem Herzinfarkt, als er die Nachricht vom Fährunglück erhielt.
Die "Express Samina" verkehrte regelmäßig vom Athener Hafen Piräus zur Insel Samos und legte dabei einen Zwischenstopp in Paros ein, 165 Kilometer südöstlich von Athen. Nach Angaben der Reederei Minoan Flying Dolphins waren 447 Passagiere und 63 Besatzungsmitglieder an Bord.
Ein Schiffsoffizier sagte, die Evakuierung sei ordentlich verlaufen. Passagiere sprachen dagegen von Panik an Bord. "Das Schiff brach auseinander und sank", beschrieb einer die Katastrophe. "Da klammerten sich Leute an die Reeling. Kinder weinten und Alte schrien. Ich sprang herunter, drehte mich nach 50 Metern um, und das Schiff war weg."
Das 34 Jahre alte Schiff sollte angeblich Ende dieses Jahres aus dem Verkehr gezogen werden sollen. Dies sei ein deutliches Zeichen dafür, "dass keine Investitionen in die Sicherheit vorgenommen worden sind", sagte ADAC-Experte Robert Sauter.