Fährunglück Offizier übernimmt Verantwortung
Athen - Griechenlands Ministerpräsident Kostas Simitis kündigte an, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. "Dies wird geschehen, egal wie hoch die Verantwortlichen stehen", sagte der sozialistische Regierungschef. Handelsschifffahrtsminister Christos Papoutsis erklärte, die Reederei Minoan Flying Dolphins müsse Entschädigungen an alle Passagiere und die Hinterbliebenen der Opfer zahlen. "Und wenn sie sie nicht schnellstens zahlt, dann werden wir sie zwingen, dies zu tun", fügte der Minister hinzu.
Der Erste Offizier übernahm die Verantwortung für das Unglück und sagte, er habe die Distanz des Schiffs zum Land nicht richtig geschätzt. Die Fähre sei in der Nacht zum Mittwoch vom stürmischen Wind auf das Riff getrieben worden. "Ich bin kurz von der Brücke weggegangen, um ein Fußballspiel zu sehen", soll er nach Angaben des griechischen Rundfunks gesagt haben. Als er wenig später auf die Brücke zurückkehrte und dem Steuermann den Befehl gab, um fünf Grad nach links auszuweichen, war es zu spät. Auch ein zweiter Versuch, das Riff mit einer neuen Drehung um weitere fünf Grad zu meiden, war vergeblich.
Danach soll er selbst das Steuer übernommen haben. Diese Aussagen hat nach Informationen des griechischen Rundfunks auch der Matrose bestätigt, der zum Unglückszeitpunkt am Ruder war. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage wegen Mordes. Der Kapitän, der Erste Offizier, ein auszubildender Kapitän und der Steuermann wurden festgenommen.
Noch immer sind nicht alle Opfer geborgen. Bislang wurden 66 Leichen gezählt, von denen bis auf zwei alle identifiziert werden konnten. Unter den Toten seien bisher keine ausländischen Touristen. Sechs Menschen werden noch vermisst. 452 Passagiere und Besatzungsmitglieder konnten gerettet werden, darunter 18 Deutsche.
Auch der überlebende deutsche Arzt Erich Schröder aus Hamburg kritisierte die Besatzung: "Der Kapitän war einer der Ersten im Rettungsboot. Ihm ist nichts passiert", sagte der Mediziner dem "Mannheimer Morgen". Nach seinen Angaben starben viele Kinder, weil sie die Rettungswesten nicht allein anlegen konnten. Die Besatzung habe nichts zu ihrer Rettung getan.
Die 1966 gebaute "Express Samina" war eine der ältesten Fähren Griechenlands und sollte Ende dieses Jahres aus dem Verkehr gezogen werden.