Fall Gsell: Schöne Witwe womöglich bald frei - DER SPIEGEL
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Fall Gsell Schöne Witwe womöglich bald frei

Der Mordfall Franz Gsell wird immer mysteriöser. Möglicherweise fand der Überfall auf den vermeintlich reichen Schönheitschirurgen niemals statt. Der Verteidiger der in Untersuchungshaft sitzenden Witwe Tatjana behauptet, der Arzt könnte den Überfall vorgetäuscht haben.
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Nürnberg - Die Anwälte der Hauptverdächtigen und Witwe Tatjana Gsell wollen in den nächsten Tagen offenbar einen Antrag auf Haftprüfung stellen. Danach könnte die 32-Jährige bald wieder auf freiem Fuß sein. Die Chancen auf eine Haftentlassung beurteilte Gsell-Anwalt Steffen Ufer gegenüber der "Münchner Abendzeitung" als "noch nie so gut wie jetzt".

Grund für den Optimismus bieten der Zeitung zufolge neueste Ermittlungsergebnisse der Kriminalpolizei. Ursprünglich ging man dort davon aus, dass Franz Gsell, Anfang Januar in seiner Villa überfallen und mit einer Axt brutal niedergeschlagen worden ist. Wenige Wochen später verstarb der 76-jährige Arzt im Nürnberger Theresien-Hospital an "multiplem Organversagen als Folge einer Sepsis".

Die Gsells waren offenbar in Geldnot

Als mutmaßliche Täter galten zunächst zwei Autoschieber, die in das Haus der Gsells eingedrungen sein sollen, um den Wagen von Ehefrau Tatjana an sich zu bringen und einen Versicherungsbetrug einzufädeln. Den Auftrag dazu sollen sie von der schönen Witwe selbst erhalten haben, die sich in argen Geldnöten, fernab der Heimat im spanischen Marbella, mit dem Düsseldorfer Autohändler Helmut Becker, 61, vergnügte.

Der Zeitung zufolge sprechen neuere Indizien dafür, dass der Überfall in der bislang angenommenen Form nie stattgefunden hat. "Es gibt nicht den geringsten Beweis dafür, dass einer oder mehrere unbekannte Täter tatsächlich in Erscheinung getreten sind", behauptet Strafverteidiger Ufer. Es gebe "keinerlei zwingende Beweise" dafür, dass Tatjana Gsell "überhaupt in irgendeiner Form an dem Überfall beteiligt gewesen" sei.

Der Schönheitschirurg könnte gelogen haben

Die Kripo meint nun, dass Franz Gsell vor seinem Tod gelogen hat. Das geht aus einem entsprechenden Zwischenbericht hervor. Der Promi-Doktor könnte demnach vorsätzlich eine Straftat vorgetäuscht haben. "Wenn Herr Dr. Gsell noch leben würde, könnte ich mir vorstellen, dass gegen ihn ein Ermittlungsverfahren eingeleitet würde", sagte Ufer der "Abendzeitung".

Die laufenden Ermittlungen ergaben, dass der Schönheitschirurg zur Tatzeit alles andere als liquide war und ein paar tausend Euro im Stromverteilerkasten verschwinden ließ. Auffällig ist, dass es sich um genau die Summe handelt, die ihm nach eigenen Angaben später von den Tätern aus dem Tresor gestohlen worden sein soll. Auch die von der Polizei in einem Gebüsch nahe der Villa entdeckten, vermeintlich von den Tätern getragenen Masken, die ordentlich aufgehängt waren, als man sie fand, nähren Zweifel an Franz Gsells Version vom Tathergang.

Nachdem auch der Staatsanwalt Stefan M., 32, aus Hof, sein Tatjana Gsell belastendes Geständnis vor kurzem widerrufen hat, sehen die Anwälte der Arzt-Witwe keinen Grund für eine Fortsetzung der Untersuchungshaft. Bei so zweifelhafter Beweislage sei eine Freilassung ihrer Mandantin nur die "logische Folge", meinen die Verteidiger.

Martin Dommer

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