Fall Joseph: Eine Stadt unter Polizeischutz - DER SPIEGEL
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Fall Joseph Eine Stadt unter Polizeischutz

Der Tod des kleinen Joseph wird nach der Freilassung der drei Hauptverdächtigen immer rätselhafter. Die Staatsanwaltschaft Dresden bezweifelt die Glaubwürdigkeit des Hauptbelastungszeugen. Inzwischen hat die Polizei ihre Präsenz in Sebnitz deutlich verstärkt.
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Berlin - 130 Polizisten seien im Einsatz, um "Ordnung und Sicherheit" aufrecht zu erhalten, sagte der Chef des Dresdner Polizeipräsidiums, Eberhard Pilz. Vor allem das Haus der Familie des vor drei Jahren zu Tode gekommenen sechsjährigen Jungen geschützt. Dort hat die Polizei auch Absperrungen errichtet. Die Einfallstraßen nach Sebnitz werden kontrolliert, um "handelsreisende Rechtsradikale von einem Besuch in Sebnitz fern zu halten".

Nach Angaben von Pilz beziehen sich die Schutzmaßnahmen auch auf jene, die im "Fall Joseph" ausgesagt haben, sowie auf die drei vormals Beschuldigten. Die Apothekerfamilie war am Montag nicht in Sebnitz.

Die wegen Mordverdachts verhafteten drei Hauptverdächtigen waren am Sonntagabend wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Der dringende Tatverdacht gegen die beiden Männer und die Frau habe nicht aufrechterhalten werden können, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe will den Fall weiter beobachten, hält sich nach dem gegenwärtigen Ermittlungsstand allerdings nicht für zuständig. Schröder sprach als SPD-Parteichef mit der Mutter, die für die SPD im Sebnitzer Stadtrat sitzt. Das Treffen habe nichts mit einer Einmischung in die laufenden Ermittlungen zu tun, hieß es.

Beim Dresdner Polizeipräsidium arbeiten inzwischen 30 Experten in einer Sonderkommission "Schwimmbad". Der Sprecher der Dresdner Staatsanwaltschaft, Claus Bogner, sprach von einem "Gemengelage" von Zeugenaussagen. Das Alibi eines der Beschuldigten konnte durch nichts erschüttert werden, hieß es. Die Ermittler wollen auch Hinweisen nachgehen, wonach mehrere Zeugen von Josephs Familie geringe Summen Geld erhalten haben. Dies erlaube jedoch keine Rückschlüsse darauf, dass Aussagen "gekauft" worden wären.

Ein Schwerpunkt der Ermittlung ist jetzt die Überprüfung der ersten gerichtsmedizinischen Untersuchung des toten Jungen. Die Eltern von Joseph hatten nach dessen Tod in Gießen eine zweite Obduktion vornehmen lassen. Deren Ergebnis wollen die Ermittler nun anfordern. Ein neuerliche Exhumierung stehe nicht an. Über die Ergebnisse beider Obduktionsberichte solle ein Gutachten erstellt werden, das Aufschluss geben soll, ob Gewalteinwirkung vorlag. Mit diesem Gutachten soll eine dritte Institution beauftragt werden.

Zudem wird untersucht, ob es im Zusammenhang mit den Ermittlungen zu Pflichtverletzungen innerhalb der Polizei kam. Nach Zeugenaussagen soll der sechsjährige Joseph im Sommer 1997 von Rechtsradikalen im Sebnitzer Freibad misshandelt und ertränkt worden sein.