Fall Joseph Neue Zeugen aufgetaucht
Sebnitz - Der Sprecher der Dresdner Staatsanwaltschaft, Claus Bogner, sagte der "Bild am Sonntag": "Im Laufe der Woche haben sich einige Personen gemeldet, die bei den ersten Ermittlungen vor drei Jahren nicht bekannt waren. Diese werden wir ebenso befragen wie alle anderen bereits bekannten Zeugen."
Für ein neues Obduktionsgutachten seien auch die Gewebeproben der Rechtsmedizin in Gießen beschlagnahmt worden, erklärte Bogner. Die hessischen Experten hatten die zweite Obduktion im Auftrag der Eltern des toten Jungen durchgeführt. Für das dritte Gutachten müsse der Leichnam aber nicht erneut exhumiert werden. Die Familie Abdulla hatte Rechtsradikale beschuldigt, Joseph misshandelt und ertränkt zu haben. Nach Angaben der Dresdner Staatsanwaltschaft hat sich dieser Vorwurf in einem zweiten Ermittlungsverfahren jedoch nicht erhärtet. Drei zeitweilig inhaftierte junge Leute waren wieder freigelassen worden. Der Verteidiger eines der damals Beschuldigten hat gegen die Mutter des Jungen Anzeige wegen des Verdachts der Anstiftung zur falschen Beschuldigung gestellt. Deswegen waren die Wohn- und Geschäftsräume der Eltern durchsucht worden. Die Ermittler werden in den nächsten Tagen die beschlagnahmten Unterlagen, darunter Videobänder, sichten und bewerten.
Roland Koch kritisiert Schröder-Besuch
Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) griff unterdessen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) wegen dessen Umgang mit dem Fall Joseph scharf an. Schröders Treffen mit der Mutter des Jungen sei "im nachhinein gesehen eindeutig falsch" gewesen, sagte er der "Berliner Morgenpost". Schröder nutze solche Ereignisse zur "medialen Inszenierung" und zum Transport "seiner vermeintlichen Entschlossenheit oder seiner Person", sagte Koch. "Wie gefährlich das ist, hat Schröder an diesem Punkt hoffentlich gelernt."