Fall Joseph: Rau fährt nach Sebnitz - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Fall Joseph Rau fährt nach Sebnitz

Nach den Schlagzeilen im "Fall Joseph" wird Bundespräsident Johannes Rau "in aller Kürze" die sächsische Stadt Sebnitz besuchen. Das Staatsoberhaupt will mit seiner Visite die Bewohner des Ortes wieder zusammenbringen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Dresden - Rau (SPD) werde mit Vertretern der Kirche, Gewerkschaften, des Stadtrats und mit einigen Bürgern sprechen, berichtet die Münchner "Abendzeitung". Josephs Eltern werde der Bundespräsident vermutlich im Kreise anderer Bürger treffen. Eine Sprecherin des Bundespräsidialamtes bestätigte den geplanten Besuch. Ein Termin stehe aber noch nicht fest. Ende November hatte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) Josephs Mutter in Berlin getroffen.

Sebnitz war durch Berichte über angebliche Neonazi-Umtriebe und wegen des mysteriösen Todes des sechsjährigen Joseph Kantelberg-Abdulla in die Negativ-Schlagzeilen geraten. Der sechsjährige Sohn eines gebürtigen Irakers und einer Deutschen war im Juni 1997 im Sebnitzer Schwimmbad ertrunken. Die Eltern sehen ihr Kind als Opfer eines Mordes mit rechtsextremen Hintergrund und glauben nicht an einen Unfall als Todesursache.

Die Dresdner Staatsanwaltschaft vernahm weitere Zeugen zum Tod des Kindes. Bislang seien rund 140 Zeugen gehört worden Auch gegen die drei Tatverdächtigen, die vorübergehend unter Mordverdacht gestanden hatten, werde weiter ermittelt, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Claus Bogner. Er wies damit einen Bericht der "Sächsischen Zeitung" zurück, wonach kein Tatverdacht mehr gegen die drei jungen Leute besteht.

Die Ermittlungen werden nach Angaben Bogners wahrscheinlich noch bis ins kommende Jahr andauern. Es gebe jedoch weiterhin keine Hinweise auf einen gewaltsamen Tod des Jungen.