Fall Julia Anwalt beantragt Rücknahme der Drogen-Anklage
Singapur - Julia Bohl erschien mit Handschellen an eine mutmaßliche Komplizin gefesselt. Die rund einstündige Anhörung fand hinter verschlossenen Türen statt. Anwalt Shubas Anandan sagte anschließend, die Staatsanwaltschaft werde sich bis zum 3. Mai zu dem Antrag äußern. Für diesen Tag sei eine weitere Anhörung anberaumt. Sollte der Antrag abgelehnt werden, werde der Prozess eröffnet , der bis zu 20 Wochen dauern könnte, erklärte der Anwalt.
Die Anklage gegen die Studentin war im März reduziert worden, so dass ihr nicht länger die Todesstrafe wegen Drogenhandels droht. Labortests ergaben, dass in dem bei ihr sichergestellten Rauschgift zwei verschiedene Substanzen vorhanden waren. Damit wurde die Menge von 500 Gramm reinem Cannabis nicht überschritten, für die die Todesstrafe zwingend gewesen wäre. Die Anklage wurde daraufhin in mehrere Einzelklagen wegen geringerer Drogendelikte unterteilt. Hierfür drohen der 23-Jährigen immer noch mindestens zehn Jahre Gefängnis.
Anandan erklärte am Donnerstag, das Appartement, in dem die Drogen gefunden worden seien, sei zwar von seiner Mandantin gemietet worden. Jedoch sei die Deutsche nicht die Einzige gewesen, die in der Wohnung gelebt habe. Er gab ihr nach eigenen Worten den Rat, weiter in Polizeigewahrsam zu bleiben. Die Kaution war auf 150.000 Singapur-Dollar (94.000 Euro) festgesetzt worden.