Fall Julia: Letzter Akt im Justizdrama in Singapur - DER SPIEGEL
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Fall Julia Letzter Akt im Justizdrama in Singapur

Das Justizdrama um die wegen eines Drogendeliktes in Singapur einsitzende Julia Bohl geht morgen zu Ende. Möglicherweise wird die 23-Jährige bei der Hauptverhandlung lediglich zu einer Geldstrafe oder zu einer geringen Freiheitsstrafe verurteilt und danach bald abgeschoben.
Von Jürgen Kremb
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Wochenlang saß sie in Einzelhaft, kein Stuhl, kein Tisch, nur eine Nasszelle als einziger Einrichtungsgegenstand. Das Licht musste aus Angst vor einem möglichen Selbstmordversuch die ganze Nacht angeschaltet bleiben. Stunden verbrachte sie im Schneidersitz, wie es die Gefängnisordnung vorschreibt. Nur zwei Bücher durfte sie im Monat lesen. Zum Schlafen hatte sie nur eine Bambusmatte, die erst abends ausgerollt werden durfte. Wegen einer Asthmaerkrankung machte ihr die mörderische Tropenhitze schwer zu schaffen.

So verbrachte die deutsche Berufsschülerin Julia Bohl die letzten Wochen in einer Zelle im Changi Frauengefängnis am Stadtrand von Singapur. Die junge Frau, die an der deutschen Auslandsschule in Singapur im Februar ihre Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau abgeschlossen hatte, war in der Nacht vom 13. März der Drogenpolizei ins Netz gegangen. Weil sich in ihrer Wohnung ein Haschischblock von 687 Gramm befand, bestand zunächst die Befürchtung, die Deutsche könne nach den brachialen Gesetzen des südostasiatischen Landes hingerichtet werden.

Beim Besitz von mehr als 500 Gramm Cannabis geht das Gesetz davon aus, dass der Straftatbestand des "Drogenhandels“ vorliegt. Dafür ist die Todesstrafe vorgeschrieben. Eine von den Behörden vorgenommene Reinheitsanalyse ergab jedoch Mitte April, dass es sich bei dem Fund um weniger als 290 Gramm reines Haschisch handele. Das rettete der jungen Frau zwar das Leben, ließ aber befürchten, dass sie zu mehr als 20 Jahren Haft verurteilt werden könnte. Morgen wird sie nun wohl mit einem blauen Auge davon kommen.

Wie Bohl-Verteidiger Subas Anandan gegenüber SPIEGEL-ONLINE erklärte, wird sich seine Mandantin in der Hauptverhandlung in drei Punkten für schuldig bekennen. Sie wird einräumen, dass sie Drogen konsumiert hat, Drogen besaß und es zuließ, dass in ihrer Wohnung Drogen gehandelt wurden. Schuldbekenntnisse wirken sich in Singapurs Justizsystem in der Regel strafmildernd aus.

Zwar wollte Anandan nicht über ein mögliches Strafmaß spekulieren, doch gehen Beobachter des Verfahrens davon aus, dass Julia Bohl nach Singapurer Standard zu einer milden Strafe verurteilt wird. Im ungünstigsten Falle würde das für die Deutsche zwar noch immer zehn Jahre Haft bedeuten, doch eine Verurteilung von weniger als fünf Jahren oder einer Geldstrafe liegt im Bereich des möglichen.

Denkbar ist auch, dass die harte Untersuchungshaft von gut drei Monaten angerechnet wird und Bohl bald zur Verbüßung einer geringen Reststrafe nach Deutschland überstellt wird. Für die junge Frau wäre das wohl ihr schönstes Geburtstagsgeschenk. Am Dienstag dieser Woche beging Julia ihren 23. Geburtstag in der Zelle.