Fall Kampusch: Klappbett aus dem Katalog - DER SPIEGEL
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Fall Kampusch Klappbett aus dem Katalog

Intime Details aus ihrer Gefangenschaft will Natascha Kampusch vorerst für sich behalten, hatte sie kürzlich in einem offenen Brief erklärt. Nun hat das österreichische Magazin "News" einen Bericht mit vielen wörtlichen Zitaten von ihr gedruckt - sehr zum Ärger ihrer Betreuer.
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Hamburg - "Das Protokoll des Grauens", kündigt die Zeitschrift auf dem aktuellen Titel an. In der Tat enthält die Geschichte viele Einzelheiten aus der Zeit von Nataschas Gefangenschaft. So erfährt man etwa, dass Wolfgang P. mit ihr gemeinsam die Möbel für das Verlies - unter anderem ein Klappbett und ein Schreibtisch - aus Katalogen ausgesucht haben soll. Nach vier Jahren soll er ihr erlaubt haben: "Du darfst Wolfi zu mir sagen", wird Natascha zitiert. Aus welcher Quelle das Zitat stammt, schreibt das Magazin nicht.

Es sind Einzelheiten, die gut ergänzen, was die 18-Jährige bislang von dem Alltag mit dem Entführer berichtete, für den sie kochte und Hausarbeiten erledigte, mit dem sie Videos sah, die er ausgewählt hatte. Der Bericht illustriert zudem, wie sehr P. ihre Weltsicht prägte, die sie zuvor in dem offenen Brief erläuterte. So erklärte sie darin, sie habe unter diesen Umständen zumindest "nicht mit dem Rauchen begonnen" und "keine falschen Freunde kennen gelernt". Dem Blatt zufolge habe P. sie genau mit diesem Argument zu überzeugen versucht, dass die Gefangenschaft letztlich gut sei für sie. Allerdings sei ihr stets bewusst gewesen, dass die Entführung nicht rechtens sei.

Nach der Veröffentlichung der seitenlangen Geschichte mutmaßten unter anderem die österreichische Nachrichtenagentur APA und der Fernsehsender n-tv, dass die Natascha-Zitate aus Polizeiprotokollen stammten. Entsprechend verärgert reagierte das Betreuerteam des Entführungsopfers. Der Psychiater Max Friedrich beklagte bei einer Pressekonferenz in Wien, durch den Bericht werde das Persönlichkeitsrecht der jungen Frau verletzt. Es drohe eine "Re-Traumatisierung durch die öffentliche Bloßstellung des Opfers". Er kündigte an, noch heute ein Gespräch mit der österreichischen Innenministerin führen zu wollen.

Die "News"-Chefredaktion widersprach dem allerdings inzwischen vehement. Man habe keine Polizeiquellen angezapft, sondern mit Dutzenden Menschen aus Nataschas Umfeld gesprochen. Es handle sich "um eine hervorragend recherchierte und seriös verfasste Magazingeschichte", sagte Chefredakteur Josef Votzi.

Kampuschs Mutter, Brigitta Sirny, richtete einen eindringlichen Appell an die Medien, ihre Tochter sowie die gesamte Familie "sofort in Ruhe zu lassen". "Es freut mich natürlich, dass ganz Österreich Anteil nimmt", sagte Sirny. In den vergangenen Tagen sei die Familie jedoch "von einzelnen Medienvertretern distanzlos bedrängt" worden. "Der ganze Rummel wird mir und uns allen zu viel", so Sirny. Sie kündigte an, keine Interviews mehr zu geben, bis ihre Tochter bereit sei, selbst öffentlich über ihr Schicksal zu sprechen.

Natascha Kampusch war am 2. März 1998 auf dem Weg zur Schule in Wien entführt worden. Der 44-jährige Wolfgang P. hielt sie mehr als acht Jahre in seinem Haus in Strasshof gefangen. Vor einer Woche gelang ihr die Flucht. Der Täter warf sich wenige Stunden später vor einen Vorortzug. Das Opfer hält sich derzeit an einem geheimen Ort auf und wird medizinisch betreut.

str/AFP/dpa

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