Fall Kampusch: Natascha-Interview am Mittwoch - DER SPIEGEL
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Fall Kampusch Natascha-Interview am Mittwoch

Das österreichische Fernsehen wird am kommenden Mittwoch ein Interview mit Entführungsopfer Natascha Kampusch zeigen - gegen den Willen ihrer Eltern. Auch ein deutscher Privatsender möchte das Gespräch übertragen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Es sei "ein ausdrücklicher Wunsch" der 18-Jährigen, die Öffentlichkeit "persönlich zu informieren", heißt es auf der Internetseite von Kampuschs PR-Berater Dietmar Ecker . Der ORF will das Gespräch am Mittwochabend um 20.15 Uhr ausstrahlen. Es soll mindestens 20 Minuten dauern, heißt es in einer Mitteilung des öffentlich-rechtlichen Senders.

Laut "Bild"-Zeitung diskutiere der Beraterstab noch darüber, ob Natascha Kampusch dabei ihr Gesicht verbergen werde. Möglich sei etwa, dass sie während des Gesprächs hinter einem Sichtschutz sitzt. "Sehen wir sie verschleiert im TV?", lautet die entsprechende Überschrift. Kampuschs Medienkoordinator erklärte dazu nur, sie werde nicht so gezeigt, "dass sie auf der Straße danach erkennbar sein wird. Sie wird geschützt."

In jedem Fall missfällt den Eltern des Opfers ein derartiger Medienauftritt. Die Zeitung "Österreich" berichtet, dass sie bereits vor dem Wochenende einen Anwalt damit beauftragt haben, das Interview durch eine einstweilige Verfügung vom Gericht zu unterbinden. "Natascha wird von Betreuern manipuliert", zitiert das Blatt die Eltern. Der Vater sei fassungslos: "Was da mit meinem Mädchen geschieht, ist doch verrückt", habe er gesagt.

Die Agentur AFP berichtet, dass der ORF Kampusch dafür kein Geld zahle. Laut Zeitungsberichten will der Sender das Interview aber international verkaufen. RTL werde es am Mittwoch, 21.15 Uhr senden, sagte ein Sprecher heute SPIEGEL ONLINE. Wieviel der Sender dafür bezahlt, wollte er nicht verraten. Der "Standard" will erfahren haben, dass das Gespräch RTL 200.000 Euro wert ist. Das Geld soll dem Mädchen zugute kommen.

Leibrente als Interviewhonorar

Wie der Medienberater Ecker mitteilt, sind auch Interviews mit der täglich erscheinenden "Kronen Zeitung" sowie dem Wochenmagazin "News" geplant. Die beiden Blätter hätten dafür eine Leibrente für Natascha Kampusch angeboten, schreibt der "Standard". Für die "News" soll Herausgeber Alfred Worm das Interview führen. Über die Höhe der Zahlungen an das Entführungsopfer wollte er sich nicht näher äußern. "Es geht bei dem Paket um seriöse Zukunftsperspektiven und ein Leben nach dem 'Medienhype'", sagte er. "Wir werden Frau Kampusch ein Stück weit in ihrem Leben begleiten und ihr den Wiedereinstieg ermöglichen."

Unterdessen hat die Polizei Kampusch erneut vernommen, zudem wird das Haus des Entführers Wolfgang P. auf weitere Hohlräume untersucht. Wie ein Sprecher des österreichischen Bundeskriminalamts gestern mitteilte, wurde P.s DNA an Interpol übermittelt, um zu klären, ob der Täter "für Straftaten im Ausland in Frage kommt". Innerhalb Österreichs wurde der DNA-Abgleich bereits durchgeführt. Demnach gab es keine Hinweise auf andere Straftaten.

Natascha Kampusch war vor acht Jahren auf dem Weg zur Schule in Wien entführt worden und anschließend gefangen gehalten worden. Vor zehn Tagen gelang ihr die Flucht. Der Täter P. warf sich siebeneinhalb Stunden später vor einen Vorortzug.

str/AP/dpa/AFP

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