Fall Moshammer Verrät Daisy die DNA des Mörders?
München - Laut "Süddeutscher Zeitung" hat ein Zeuge den Modemacher Donnerstagnacht gegen 23.30 Uhr gesehen, als er mit seinem Rolls Royce an einer Ampel in der Münchner Innenstadt hielt. Neben Moshammer habe ein "junger, schlanker Mann" gesessen, dessen Wollmütze tief ins Gesicht gezogen war, schreibt das Blatt.
Die Polizei bestätigte den Bericht. "Wir haben einen Hinweis, der beschreibt, dass ein junger Mann im Fahrzeug gesehen wurde", sagte Polizeisprecher Peter Reichl. Es sei aber nur eine Spur von vielen, unterstrich er. Sie sei weder konkret noch heiß. Bislang gingen rund 160 Hinweise zu dem Mordfall bei der Münchner Polizei ein. Das Telefon stehe nicht still, sagte der Sprecher.
Eine Blutprobe des Toten ergab, dass er vor seinem Tod weder Alkohol noch Drogen zu sich genommen hatte. Auch Moshammers Yorkshire-Terrier Daisy wurde von der Polizei auf Spuren untersucht. Die Ermittler hoffen, am Fell des Tieres möglicherweise DNA-Spuren des Täters zu finden.
Vor Moshammers Boutique in der Münchner Maximilianstraße brannten am Samstag Dutzende Grablichter. Immer wieder legten Passanten Blumen nieder. Viele verharrten schweigend. "Wir vermissen Dich", hieß es auf Abschiedskarten.
Eine 20-köpfige Sonderkommission rekonstruiert derzeit die letzten Stunden Moshammers, der am Freitagmorgen von seinem Chauffeur tot im ersten Stock seines Reihenhauses im Münchner Nobelvorort Grünwald gefunden worden war. Die Soko ermittelt auch im Homosexuellenmilieu und in der Stricherszene, in der der Ermordete verkehrte.
Die Polizei geht davon aus, dass Moshammer seinen Mörder selbst in die Wohnung gelassen hat. Unklar sei aber, wann Moshammer nach Hause zurückkehrte und ob er sich dabei in Begleitung befunden habe. Als äußerst ungewöhnlich bezeichneten die Ermittler den Umstand, dass Moshammers Rolls-Royce direkt vor der Haustür und nicht in der Garage abgestellt war.
Es wurden keine Einbruchspuren festgestellt, auch für einen Raubmord gebe es keine Hinweise, sagte Reichl. Nach bisherigen Erkenntnissen fehlten keine Wertgegenstände. Auch Spuren eines Kampfes wurden nicht festgestellt. "Wir gehen davon aus, dass der Täter jemand aus seinem Umfeld ist, jemand, den er kannte", sagte Reichl. Dabei sei offen, ob er den Mörder erst vor kurzem kennen gelernt habe oder bereits länger kannte.
Rudolph Moshammer: Trauer um den Modezaren
Am Abend vor seinem Tod war Moshammer von mehreren Zeugen gesehen worden, als er mit seinem schwarzen Rolls Royce mit dem Nummernschild M-RM 111 allein durch München fuhr. In der Nähe des Münchner Hauptbahnhofes soll er aus dem Auto heraus mehrere junge Männer angesprochen haben.
Nach dem jetzigen Stand der Ermittlungen hatte Moshammer am Donnerstag bis gegen 21 Uhr mit einer Bekannten in einem Restaurant in Grünwald gesessen. Der Tod ist kurz nach Mitternacht eingetreten. Der Geschäftsmann wurde mit einem schwarzen Telefonkabel erdrosselt, das aus der Wand gerissen worden war. Es hing noch um den Hals des Modemachers, als er gefunden wurde.
In der Öffentlichkeit erschien Moshammer stets mit seiner kleinen Hündin Daisy auf dem Arm. Mit tiefschwarzen Haaren, scheinbar gepudertem Gesicht und geschminkten Augen wirkte Moshammer auf viele häufig wie ein Schauspieler in einem Film über den bayerischen Märchenkönig Ludwig II. In seiner Boutique in der Maximilianstraße verkaufte er Luxusmode. "Eigentlich verkaufe ich Schönheit und Jugend", soll er einmal gesagt haben.
Zuletzt machte Moshammer, der eine schwere Kindheit gehabt haben soll, publik, dass sein Jugendtraum gewesen sei, Eiskunstläufer zu werden. "Ich war fasziniert vom Eistanzen. Mein Vater hat gesagt, das kommt gar nicht in Frage. Dann hab ich heimlich Stunden genommen - bis der Vater draufgekommen ist", sagte er vor wenigen Wochen der österreichischen Zeitung "Der Standard".
Zuletzt hatte Moshammer für die Eislauf-Show "Holiday on Ice" einige Kostüme kreiert. Vor drei Jahren hatte er auch einmal an der deutschen Ausscheidung für den europäischen Schlager-Grand-Prix teilgenommen, war mit dem Lied "Teilt Freud und Leid" aber chancenlos geblieben.
Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé stoppte bereits eine Werbekampagne für Kaffeeprodukte, an der Moshammer mitgewirkt hatte. "Wir haben die Kampagne mit sofortiger Wirkung abgesetzt", sagte ein Sprecher der Zeitung "Financial Times Deutschland". Im Unternehmen sei man tief erschüttert über den Tod Moshammers.
Vor knapp 15 Jahren war München schon einmal Schauplatz eines Mordes an einem Prominenten. Im Sommer 1990 war der Schauspieler Walter Sedlmayr in seiner Wohnung in München-Schwabing mit einem Hammer erschlagen worden. Einige Jahre später wurden ein früherer Freund des homosexuellen Schauspielers und sein Bruder in einem Indizienprozess wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Anklage hatte ihnen vorgeworfen, sie hätten den Verdacht auf die Stricherszene lenken wollen.