Fall Natascha: Polizei geht von Sexualverbrechen aus - DER SPIEGEL
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Fall Natascha Polizei geht von Sexualverbrechen aus

Der österreichischen Innenministerin zufolge ist der Fall Kampusch das "hässlichste Verbrechen" in der Geschichte Österreichs. Eine Polizistin, die das 18-jährige Entführungsopfer betreut hat, geht davon aus, dass der Entführer sie sexuell missbraucht hat.
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Hamburg - "Aus meiner Sicht, ja", sagte die Beamtin Sabine Freudenberger im Österreichichen Rundfunk (ORF) auf die Frage, ob Wolfgang P. sich an Natascha vergangen habe. "Das ist ihr aber selbst nicht klar. Sie hat das immer freiwillig gemacht, hat sie gesagt", erklärte Freudenberger. Bei einer Pressekonferenz erklärten die Ermittler, in ähnlichen Fällen habe es "ein sexuelles Motiv gegeben".

Die österreichische Polizei verteidigte sich gegen Vorwürfe, man habe Wolfgang P. bei den Ermittlungen nach der Entführung 1998 nicht genau genug unter die Lupe genommen. "Wir hätten damals keinen Durchsuchungsbefehl bekommen", erklärte der Chef der "Soko Natascha", Nikolaus Koch. P. war damals bereits verhört worden, weil er einen Lieferwagen des Typs fuhr, wie er bei der Entführung beobachtet wurde. Die Polizei schenkte dann aber seiner Aussage Glauben, er brauche den Wagen für den Transport von Bauschutt. In all den Jahren danach habe man nie aufgehört zu ermitteln, man sei "Hunderten von Hinweisen" nachgegangen, betonte Koch,

Spekulationen, dass Wolfgang P. einen Komplizen gehabt habe, wollte man "weder bestätigen oder bestreiten". Nach Berichten österreichischer Zeitungen bekomme nun die Aussage einer damals Zwölfjährigen neues Gewicht. Sie gab zur Tatzeit an, beobachtet zu haben, dass zwei Personen Natascha in einen weißen Lieferwagen gezerrt hätten.

Den Angaben der Ermittlern zufolge ist die Identität des Mädchens inzwischen per DNA-Analyse zweifelsfrei geklärt. Die Polizei kündigte an, man wolle Natascha bis Montag nicht mehr vernehmen. Psychologen und Ärzte hätten zu einer Ruhepause geraten. Die Spurensuche am Tatort gehe aber unvermindert weiter. Mehr als ein Dutzend Beamte seien im Einsatz, um das Haus in Strasshof bei Wien zu untersuchen, in dem der Täter Natascha acht Jahre lang in einem Verlies gefangen hielt.

Flucht bei der Autoreinigung

Immer wieder, berichtete die junge Frau auf der Polizeiwache, habe sie versucht, P. zu überreden, sie freizulassen. Sie wolle eine Familie und Kinder haben, sie wolle die Freiheit. Ihre Bitten blieben ungehört. Der Entführer habe ihr gedroht, dass ihr und ihrer Familie etwas passieren werde, wenn sie fliehe, berichtete die Polizistin Freudenberger.

Die Gelegenheit zur Flucht ergriff Natascha, als sie das Auto des Täters in der unversperrten Garage mit einem Staubsauger reinigen sollte. Dann klingelte das Telefon, und weil der Staubsauger so laut war, entfernte sich P. ein wenig von ihr. "Da bin ich losgelaufen", zitiert der 'Kurier' die junge Frau. Der 44-jährige Nachrichtentechniker sei daraufhin mit hoher Geschwindigkeit in Richtung Wien davon gefahren. Am Abend beging er Selbstmord.

Laut Ermittlungen hat der Kidnapper die Tat von langer Hand geplant. Unter seiner Garage richtete er das Verlies ein, das mit Toilette, Waschtisch und einer Lüftung ausgestattet war. Ihr Entführer hat sie der Polizistin Freudenberger zufolge in der Gefangenschaft unterrichtet, mit Büchern versorgt und Fernsehen und Radio hören lassen. "Diese Frau ist gebildet, sie ist hochintelligent", sagte die Beamtin dem ORF. Der 44-Jährige habe zudem sehr auf ihre Ernährung und Hygiene geachtet. Freudenberger berichtet, dass die Entführte gepflegt sei, aber Ausschläge auf ihren Füßen habe.

Sie sei körperlich "sehr mitgenommen", betonte der Vater. "Natascha ist abgemagert, hat eine ganz, ganz weiße Haut und Flecken am ganzen Körper. Ich darf gar nicht darüber nachdenken, woher die kommen." Die 18-Jährige, die ein Kriminalbeamter als "schöne junge Frau" beschrieb, wiegt bei einer Größe von 1,60 Metern nur noch 42 Kilogramm.

str/Reuters/dpa/AFP

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