Fall Ulrike 250 Hinweise auf den Täter
Eberswalde - Bis zum Samstagnachmittag seien 250 neue Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen, sagte Polizeisprecher Toralf Reinhardt. Ständig meldeten sich Bürger, die zur Ergreifung des gesuchten Täters beitragen wollen. Die Polizei hat ihre Patrouillen in der Region Eberswalde verstärkt. Sie rief Eltern auf, ihre Kinder bei Einbruch der Dunkelheit nur noch öffentliche Wege benutzen zu lassen.
Rund 500 Bürger aus Eberswalde gedachten am Vormittag mit einer Schweigeminute des entführten und anschließend ermordeten Mädchens. Ulrike war am Donnerstag tot gefunden worden, nachdem 5500 Einsatzkräfte während der vergangenen zwei Wochen nach ihr gesucht hatten. Am Sonntag wird für das Mädchen aus Eberswalde in der evangelischen Kirche von Eberswalde-Finow ein Trauergottesdienst abgehalten. Eine Obduktion hatte am Freitag ergeben, dass Ulrike noch am Tag ihres Verschwindens, am 22. Februar, sexuell missbraucht und dann erdrosselt oder erwürgt wurde.
Mit dem aktualisierten Bild vom Freitag wird bundesweit nach einem schlanken, etwa 25 bis 35 Jahre alten Mann gefahndet. Er soll knapp schulterlanges, dunkelblondes Haar und dunkle Augen haben. Die Polizei nimmt an, dass er sich noch in der Region nordöstlich von Berlin aufhält, schließt aber gleichzeitig eine Flucht in andere Bundesländer oder über die deutschen Grenzen nicht aus.
Viele Spuren deuteten darauf hin, dass sich der Täter gut in der Umgebung auskannte. Nach Angaben des Polizeisprechers wurden bereits viele Personen überprüft, ein Tatverdächtiger war offenbar bisher nicht darunter. Die Belohnung beträgt mittlerweile mehr als 200.000 Mark. Der Potsdamer Radiosender BB Radio hat die Summe nach eigenen Angaben vom Samstag um 80.000 Mark aufgestockt. Die Gelder sind nach dem Willen der verschiedenen Spender teilweise an bestimmte Fahndungserfolge zweckgebunden.
An dem Trauergottesdienst am Sonntag wollen auch Brandenburgs Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) und Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) teilnehmen. Die Predigt hält Bischof Wolfgang Huber.
Das blonde Mädchen war am 22. Februar auf dem Weg zum Sporttraining spurlos verschwunden. Ein Spaziergänger hatte die Leiche Ulrikes am Donnerstag 30 Kilometer vor Eberswalde, nahe dem früheren Militärflugplatz Werneuchen, entdeckt.