Fall Ulrike: Tornado-Einsatz ohne Erfolg - DER SPIEGEL
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Fall Ulrike Tornado-Einsatz ohne Erfolg

Immer noch kein Lebenszeichen von Ulrike. Auch die Auswertung von Düsenjet-Luftaufnahmen brachte die Polizei auf keine Spur zu der seit acht Tagen vermissten Zwölfjährigen.
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Eberswalde - Nach dem Einsatz von Bundeswehr-Jets auf der Suche nach der vermissten zwölfjährigen Ulrike hat die Polizei auffällige Stellen auf einem ehemaligen Militärgelände überprüft. Allerdings fanden die Beamten am Freitag erneut keine Spur der seit acht Tagen im brandenburgischen Eberswalde Vermissten, wie Polizeidirektor Wolfgang Becker mitteilte. Es wurden aber zwei neue Zeugen ermittelt, die den mutmaßlichen Entführer im Auto gesehen haben wollen. Eine in Niedersachsen entdeckte Leiche hänge nicht mit dem Fall zusammen, erklärte Becker.

Die Sonderkommission war den ganzen Tag damit beschäftigt, die Luftaufnahmen der hochauflösenden Tornado-Wärmebildkameras auszuwerten. Am Donnerstag hatten zwei Bundeswehr-Jets mit den Kameras an Bord das unübersichtliche Gelände überflogen. Bis Freitagabend seien auf diese Weise 24 "Erdveränderungen" in dem 50 Quadratkilometer großen Gebiet festgestellt worden, sagte Becker. Sieben davon wurden im Laufe des Tages von Suchtrupps mit Hunden, Stöcken und Schaufeln überprüft. Die Ermittler hatten die Tornados mit den Aufklärungskameras an Bord einsetzen lassen, weil damit frische Erdarbeiten bis in zehn Metern Tiefe zu erkennen sind.

Große Anteilnahme der Bevölkerung

Die neuen Zeugen hätten sich nach einem Aufruf der Polizei gemeldet, erklärte Becker. Sie sagten aus, am Donnerstag vergangener Woche nahe des Ortes, an dem Ulrikes Fahrrad entdeckt worden war, einen weißen Kleinwagen gesehen zu haben. Den Insassen beschrieben sie als einen bis 30 Jahre alten Mann mit schulterlangen Haaren. Ein ähnliches Phantombild hatte die Polizei Anfang der Woche veröffentlicht. Dagegen waren die Ermittler zuletzt von einem 20- bis 25-Jährigem mit kurzen Haaren ausgegangen, der auf einem neueren Fahndungsbild zu sehen war.

Becker hob die besondere Anteilnahme der Bevölkerung an dem Schicksal des Mädchens hervor. Bislang seien knapp 700 Hinweise eingegangen. Zahlreiche Privatpersonen hätten sich angeboten, die Belohnung für Hinweise zum Auffinden des Mädchens aus eigener Tasche zu erhöhen. Eine aktuelle Zahl wollte Becker nicht nennen, die Summe beträgt mittlerweile aber mehrere zehntausend Mark. Allein die Deutsche Bahn hatte 13.000 Mark und eine ostdeutsche Zeitschrift 20.000 Mark ausgesetzt.

Polizeipräsidentin wieder im Einsatz

Ein Großaufgebot von Polizisten durchsuchte am Freitag nicht nur die von der Bundeswehr genannten Stellen, sondern kontrollierte auch leer stehende Gebäude und Lauben in der Region. Der Stadtrand von Bernau, wo das Fluchtauto entdeckt worden war, wurde erneut durchkämmt. Die Eberswalder Polizeipräsidentin Uta Leichsenring trat am Morgen ihren Dienst wieder an, nachdem sie vom brandenburgischen Innenminister Jörg Schönbohm aus dem Urlaub zurückbeordert wurde. "Es wäre nichts anders gelaufen, wenn ich da gewesen wäre", verteidigte sie ihren Entschluss, drei Tage nach dem Verschwinden des Mädchens nach Spanien zu reisen.

Ulrike war am Donnerstag voriger Woche auf dem Weg zu einer Sporthalle verschwunden. Wenige hundert Meter vom Elternhaus entfernt hatte ihre Mutter das verlassene Fahrrad des Mädchens gefunden. Die Polizei geht nach derzeitigem Ermittlungsstand davon aus, dass ein Mann in einem weißen VW Polo das Mädchen angefahren und mitgenommen hat. Nach wie vor hoffen die Ermittler, dass die Zwölfjährige am Leben ist.