Falsche Wetterprognose Regen angesagt - Meteorologen droht Gefängnis
Rio de Janeiro - Da hatte sich der Meteorologe Luiz Carlos Austin bei seiner Prognose kräftig verhauen. Statt Gewitter und Hagel, die er für Silvester in Rio de Janeiro vorhergesagt hatte, war das Wetter einfach perfekt. Leichte Brise, keine Wolken, das Meer ruhig und knuffig warm. Auch der Abend, an dem sich in Stadtteil Copacabana wie jedes Jahr mehrere Millionen zum Feuerwerk am Strand trafen, war trocken, schön, lauschig. Und am Strand drängelten sich auch etwas weniger Menschen als sonst. Wunderbar, sollte man meinen. Wenn da eben nicht diese falsche Vorhersage gewesen wäre.
Ein unverzeihlicher Schnitzer, wie Cesar Maia, der Bürgermeister der Metropole, meint. Denn hätte der Wetterfrosch die Menschen mit seiner falschen Prognose nicht verunsichert, wären vermutlich wesentlich mehr Besucher an die Copacabana gekommen. "Er hat von Blitzen gesprochen, Wellen, mehr als zwei Meter hoch und davon, dass die Menschen Schutz suchen müssten, wenn das Gewitter komme", zitiert ihn die Online-Ausgabe des "Jornal do Brasil". Wenn zwei Millionen Menschen gleichzeitig Schutz suchen würden, nur weil ein paar Tropfen fallen, könnte es leicht zu einer Panik kommen. Diese Leichtfertigkeit solle Austin büßen. Er werde ihn verklagen, kündigte der Bürgermeister an.
Der Leiter der Tourismusbehörde, Sérgio Ricardo de Almeida, zeigte sich ebenso empört wie Maia. Falls der Stadtoberste nicht vor Gericht ziehe, werde er selbst die Klage führen. "Die Menschen müssen für ihre Taten verantwortlich gemacht werden", sagte er dem Online-Dienst von "O Globo", denn die Vorhersage hätte das Fest gewaltig stören können.
Zwar hatte die Wetterwarnung in Wahrheit kaum Auswirkungen auf den Tourismussektor - bereits vor der Regenwarnung waren die Betten in der Stadt am Zuckerhut fast zu 100 Prozent ausgebucht - doch könnte hinter der Falschmeldung des Meteorologen ja auch ein Geheimplan stecken: "Entweder ist er einfach nur inkompetent oder er wollte Rio Schaden zufügen." Möglicherweise sei er ein Saboteur und stehe gar im Dienste andere brasilianischer Tourismusziele. "Ich schlage vor, dass er für die Schäden, die der Stadt entstanden sind, aufkommen muss."
Austin, der den Bock geschossen hatte, verteidigte sich: Es sei nicht seine Intention gewesen, Panik zu verursachen. "Ich habe die Bevölkerung nur instruieren wollen, was im Fall eines heftigen Gewitters zu tun ist."
Doch diese Entschuldigung wird ihm kaum helfen. Cesar Maia plant, ihn wegen falschen Alarms anzuklagen. Im schlimmsten Fall könnte der Wetterexperte für bis zu sechs Monate hinter schwedischen Gardinen verschwinden. Das hätte dann wiederum den Vorteil, dass er bei der Wetterbeobachtung nicht gestört würde. Übrigens: Das Wetter in Rio ist weiterhin schön.
Jule Lutteroth