Fame Fatale: Der Fauxpas der Firma Windsor - DER SPIEGEL
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Fame Fatale Der Fauxpas der Firma Windsor

Wohin mit der peinlichen Verwandtschaft? Diese Frage stellt sich vor jeder Hochzeit, auch bei der königlichen von Prinz William und seiner Kate. Eines ist klar: Schwarzes Schaf möchte man bei den Royals nicht sein - bei den bürgerlichen Middletons schon eher.
Von Steffi Kammerer
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wochenlang war gebrütet worden, im Februar schließlich war es so weit. Der Buckingham Palace verschickte die Einladungen zur Hochzeit des Jahrzehnts. Handgeschriebene Kuverts, darin Karten mit dem goldgeprägten Wappen der Queen, gingen an die 1900 Auserwählten. Etwa an Fußballer David Beckham, den Fleischer aus dem Dorf von Kate Middleton, die Vertreter von St. Helena; auch bei etlichen Diktatoren und ihren Kindern zeigte man sich alles andere als kleinlich, die ehrwürdige Westminster Abbey ist groß.

Eine aber hat vergeblich auf den begehrten Brief gewartet: Sarah Ferguson, dank Heirat Duchess of York, zehn Jahre lang Schwiegertochter der Queen. Ob sie vorgewarnt war? Jedenfalls beeilte sie sich zu sagen, sie habe nie mit einer Einladung gerechnet. Und Zeit habe sie ohnehin nicht, sie werde im Ausland sein. Was man halt so sagt. Ein kleiner Trost: Auch die Angehörigen der verstorbenen Diana scheinen bei Windsors nur begrenzt willkommen. Jedenfalls sitzen sie nicht, wie es üblich wäre, auf der Seite des Bräutigams, dort ist neben der Royal Family nur für die ausländischen Königsfamilien reserviert. Dianas Geschwister aber sitzen links des Ganges, auf der Seite der Braut.

Nun gibt es wohl kein Hochzeitsfest, bei dem sich nicht irgendwer aus dem Weg geht - das ist in allen Familien so und macht die Sitzordnung zum kniffligen Puzzle. Bei geschiedenen Gästen kommt oft die Schwierigkeit hinzu, dass einer nicht erscheint, wenn der andere eingeladen wird.

Das aber war in diesem Fall nicht das Problem, Sarah und Prinz Andrew, ihr Ex-Mann, verstehen sich bestens. So gut, dass genau dies der ewig klammen Fergie zum Verhängnis wurde: Im vergangenen Frühjahr versuchte sie, den Kontakt zu Andrew zu verkaufen - für 500.000 Pfund. Sie wusste nicht, dass der vermeintliche Geschäftsmann, der ihr die Anzahlung gab, ein Boulevardjournalist mit geheimer Kamera war. Bald war alles im Internet zu sehen. Ihre Zehenlutsch-Affäre in St. Tropez vor 20 Jahren war harmlos dagegen. Fergie, immer ein bisschen zu drall und zu laut, war endgültig zur königlichen Nicht-Person geworden.

Kein Platz für Skandal-Fergie

Zur Rettung ihrer Ehre sei gesagt, dass sie bei ihrer Scheidung nicht gut beraten war und nur einen Bruchteil dessen bekam, was Diana ausgehandelt hatte. Das mag eine Erklärung sein für ihren Schuldenberg, keine Entschuldigung für ihr Verhalten - aber andererseits: Ihr Ex-Gatte steht ihr an Peinlichkeiten kaum nach, "Randy Andy" pflegt unter anderem Kontakt zu einem halbseidenen Milliardär. Doch das wird ihm nachgesehen, ebenso wie dem Bruder des Bräutigams, Prinz Harry, sein Auftritt im Nazi-Kostüm längst vergeben wurde. Natürlich darf er am Freitag Trauzeuge sein.

Für Skandal-Fergie aber ist kein Platz. Obwohl sie die Mutter von zwei Prinzessinnen ist, die in der Thronfolge bald nach William und Harry kommen.

Am Bräutigam wird es nicht gelegen haben. Als William aufwuchs, gehörte Sarah dazu, sie war Komplizin und Vertraute seiner Mutter. Zwar haben sich die beiden etliche Monate vor Dianas Tod entzweit, aber sie kannten sich schon in jungen Jahren, da findet man wieder zusammen. Noch im Januar meldete die "Daily Mail", William habe darauf bestanden, seine Tante einzuladen.

Aber der Bräutigam hat nicht allein zu entscheiden. Eingeladen hat schließlich seine Großmutter - und die war in der Westminster Abbey gekrönt und 1947 getraut worden. Einfach war es mit der Verwandtschaft auf der Gästeliste auch damals nicht: Die Schwestern von Prinz Philip waren nicht zur Trauung geladen. Das allerdings hatte einen nachvollziehbaren Grund, besonders so kurz nach Kriegsende: Sie alle hatten deutsche Adelige geheiratet, die, manche mehr, manche weniger, mit den Nazis verstrickt waren.

Der GAU der Middletons

Die bürgerlichen Middletons tun sich mit Großzügigkeit offenbar leichter. Der jüngere Bruder von Brautmutter Carole ist ein derber Prolet, wird von britischen Medien meist das "Schwarze Schaf" genannt. Auch er saß Berichten zufolge einem Undercover-Reporter auf, 2009 in seinem Haus auf Ibiza: Er prahlte mit seiner Nähe zur königlichen Familie, laut der Klatschzeitung "News of the World" und der "Daily Mail" sollen Drogen im Spiel gewesen sein. Das alles vor der offiziellen Verlobung, für die Middletons der GAU. Unmöglich schien damals, dass sie jemals wieder mit ihm sprechen würden. Aber: Sie haben dem angeblichen "Drogenonkel" verziehen, und er hat Besserung geschworen. Und so wird Gary Goldsmith bei der Hochzeit ganz offiziell dabei sein, sogar beim mittäglichen Empfang der Queen im Buckingham Palace.

Und Fergie? Die wird am Freitag vielleicht irgendwo vor einem Fernseher sitzen. Wahrscheinlich wird sie ihre Ex-Familie und ihre Töchter anschauen und auf den Altar blicken, vor dem sie selbst einmal stand, als sie im Juli 1986 meinte, in ihr Glück zu gehen. Damals tippelte ein Blumenjunge, gerade vier Jahre alt, im Matrosenanzug hinter ihrer meterlangen Schleppe her: Prinz William.

Auch damals saßen 500 Millionen vor dem Fernseher. Trompeten, Fanfaren, Konfetti. Sarah und Andrew strahlend in der Kutsche. Man muss sich noch einmal die alten Aufnahmen anschauen, um sich zu erinnern, wie glücklich die Königsfamilie damals über diese Schwiegertochter war. Auch sie eine Bürgerliche, auch sie versprach einst "frischen Wind". Sie galt als bodenständig und normal, ein fröhliches Mädchen mit einer ansteckenden Lache.

Eine verpasste Chance

Nicht eingeladen zu sein, wenn alle anderen es sind, ist nie schön. Aber normalerweise wissen davon nur der Gastgeber und die Geschmähten - in diesem Fall jedoch weiß es die ganze Welt.

Auch Tony Blair und Gordon Brown wird es deshalb gewurmt haben, dass sie nicht zu den Erwählten gehören, anders als Maggie Thatcher und John Major. Bei den Labour-Politikern lag es wohl an ihrer Parteizugehörigkeit - auch das bei knapp 2000 Gästen eine völlig unnötige Ohrfeige. Aber eine enge Verwandte derart zu demütigen, gehört sich einfach nicht, schon gar nicht für eine Familie, die doch Vorbild sein soll. Da helfen auch noch so viele Entschuldigungen nicht, die hinter den Kulissen bestimmt ausgesprochen wurden: Wir würden ja so gern, du verstehst sicher, lass uns mal Essen gehen.

Zumindest einen Kompromiss hätte man wählen können: etwa Sarah in die Kirche einzuladen, nicht aber zum späteren Empfang. Es wäre eine Geste gewesen. Und es hätte ihre Töchter nicht in den Konflikt gebracht, sich zwischen Mutter und Rest-Familie entscheiden zu müssen.

So ist es ein Fauxpas und eine verpasste Chance: Die Pechmarie Sarah einzuladen, wäre ein Signal für Familien in der ganzen Welt gewesen - wie wichtig es ist, zu verzeihen. Es wäre dem Fest der Liebe würdig gewesen. Und es hätte gezeigt, dass sich in der Firma Windsor wirklich etwas geändert hat.