Altenheim in New York: Strip wider Willen
Geronto-Entertainment Familie verklagt Pflegeheim wegen Strip-Show
Babylon - Die Familie einer 85-Jährigen hat in den USA ein Pflegeheim verklagt. Die alte Dame sei Opfer einer "infamen sexuellen Perversion" geworden, sagte Anwalt John Ray. Diese habe darin bestanden, dass ein spärlich bekleideter Stripper vor der Frau habe seine Hüften kreisen lassen. Ray zeigte ein Bild von dem Vorfall, der sich im September 2012 ereignete. Die Einlage soll Teil eines Unterhaltungsprogramms gewesen sein.
Der Sohn der Heimbewohnerin hatte das Foto bei einem Besuch im East Neck Nursing and Rehabilitation Center entdeckt. Es liegt in der Stadt Babylon auf Long Island. Auf der Aufnahme ist auch zu sehen, dass die Frau dem Stripper Geld in die Unterwäsche stopft. Anwalt Ray zufolge wurde die Frau gegen ihren Willen dazu gedrängt, der Performance beizuwohnen. Wie viel Schadensersatz die Familie von der Einrichtung will, wurde nicht öffentlich.
Die 85-Jährige sei ihrer Würde beraubt worden, sagte Ray. Die Frau selbst sagte bei einer Pressekonferenz mit kaum hörbarer Stimme, sie fühle sich schrecklich und sei beschämt, könne sich aber an Details nicht erinnern.
Aus Sicht des Pflegeheims stellt sich die Sache völlig anders dar. Ein Gremium mit 16 Bewohnern habe die Strip-Show gewollt, sagte Anwalt Howard Fensterman, der die Einrichtung vertritt. Das Heim habe deswegen auch 250 Dollar für den Auftritt bezahlt. Die Leitung behalte sich das Recht vor, Wünsche der Bewohner abzulehnen. "Aber in diesem Fall wollten Erwachsene dies haben, sie haben darüber abgestimmt und das Pflegeheim hat seine Zustimmung gegeben." Tatsächlich sei die 85-Jährige von einem ihrer Söhne zu der Veranstaltung gebracht worden und nicht von einem Angestellten.
Dem widerspricht die Familie. Wer die Frau dorthin gebracht habe, sei ohnehin unerheblich. Selbst wenn es ein Sohn gewesen sein sollte, bedeute das nicht, dass die 85-Jährige keinen Schaden erlitten habe. Als die Familie das Foto in einer Kommode gefunden und eine Krankenschwester damit konfrontiert habe, soll diese der Klage zufolge versucht haben, das Bild an sich zu reißen.
Fensterman, Rechtsbeistand des Heims, kritisierte, dass die Gegenseite einerseits behaupte, die alte Dame leide unter Demenz. Andererseits halte die Familie die 85-Jährige für fähig, ein Dokument zu unterzeichnen, mit dem sie Anwalt Ray mit ihrer Vertretung in der Sache beauftragt. Die Frau leide zwar unter Demenz, sagte Ray. "Aber sie hat Momente, in denen sie teilweise bei klarem Verstand ist."
Das Gesundheitsministerium von New York untersuche den Vorfall, teilten die Behörden mit.