Fanmeilen Vorglühen in Klagenfurt
Klagenfurt - Als hätten sie es schon vorher gewusst: Gleich zwei Fanzonen - fußläufig etwa acht Minuten voneinander entfernt - hatten die Planer in der 100.000-Einwohner-Stadt Klagenfurt eingerichtet. Und richtig: Als zögen zwei mächtige Magnete von zwei Enden der Stadt, teilen sich die Zuschauerströme etwa in der Mitte: nach rechts die Deutschen, nach links - Richtung Innenstadt - die kroatischen Fanmassen.
Und noch etwas fällt auf den ersten Blick ins Auge: Die einheimischen Gastronomen bedienen die Kunden mit ausgesuchter Freundlichkeit. Die verschwindend wenigen, die sich äußerlich als Fans der österreichischen Mannschaft zu erkennen geben, begutachten die Szenerie aber allenfalls interessiert aus der Entfernung. Sich einfach einmal ins Getümmel zu werfen, wie es die Einwohner der WM-Städte 2006 durchaus einmal taten, scheint den meisten Klagenfurtern keine attraktive Vorstellung zu sein.
Dabei entwickeln die kroatischen Fans bereits um 14 Uhr einen beachtlichen Geräuschpegel: In der zur Fanmeile umgebauten "10.-Oktober-Straße" tanzen und hüpfen bereits am frühen Nachmittag tausende herum, besonders die Klänge des von Josip Simunic eingesungenen Shantys verfehlen ihre Wirkung auf die Zielgruppe nicht.
Verirrte Gruppen von Deutschen, die dem Herdentrieb ihrer Landsleute widerstanden, müssen sich inmitten all der Feiernden vorkommen wie eine Buslandung Wolfsburg-Fans in der Arena auf Schalke.
Dass besonders Familien mit Kindern den Kroaten gerne beim Feiern zusehen, kommt nicht von ungefähr: Von Aggression ist da weit und breit keine Spur - daran ändern auch ein paar finster dreinblickende Mostar-Ultras nichts. Sie gehen in der Masse ebenso unter wie die drei Thor-Steinar-Träger mit politisch eindeutigen Tattoos, die mit ihrem Gegröle von den meisten deutschen Fans mitleidige bis empörte Blicke ernten.
Beim Anlaufpunkt der deutschen Fans auf dem Messegelände herrscht hingegen ein ganz anderes Bild als in der Innenstadt: Gut gelaunte Menschen zuhauf, die meisten jedoch vergleichsweise ruhig. Getragene, fast sphärische Musik dringt dezent von der Bühne herunter - als wolle man die Massen dafür entschädigen, dass sie vor der Public-Viewing-Area im Viertelstunden-Takt mit Klängen der "Höhner" bedacht wurden.
Während ein schwarz gewandeter österreichischer Polizist davon ausgeht, dass "etwa doppelt so viele Kroaten wie Deutsche" in der Stadt seien, wollte sich ein Kollege da nicht festlegen. Noch kreise der Hubschrauber über der Stadt, um das Kräfteverhältnis der Fans aus der Luft zu ermitteln.
Der ein oder andere Schutzmann scheint dem Frieden jedoch nicht recht zu trauen: Einige wenige trugen Stichschutzwesten - die Kosten von 160 Euro tragen die Beamten selbst. Ihre Dienststelle hatte im Vorfeld ein erhöhtes Gefährdungspotential ausgeschlossen.