Fashion Week Berlin: Resümee der Schauen - DER SPIEGEL
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Fashion Week Berlin: Jung und vielversprechend? Nicht Berlin

Foto: Markus Schreiber/ AP/dpa

Fashion Week Berlin Blass siehst du aus, steht dir aber gut!

Hallo? Noch jemand da bei der Fashion Week? Große Modehäuser haben Berlin den Rücken zugekehrt, andere Städte gelten nun als "jung und vielversprechend". Der Zirkus zieht weiter - ein Besuch lohnt sich trotzdem.
Von Wlada Kolosowa
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Selten war die Berliner Fashion Week so still. Die Modepfauen sind weg: Jene Kamerahungrigen in gefärbten Pelzen und Kunstblumen-Kränzen, die auch ohne Show-Einladung bei Hitze, Eis und Regen vor dem Brandenburger Tor ausharrten - in der Hoffnung, dass jemand sie knipst. Statt Begrüßungskreischen und Kamera-Auslösern hört man am Brandenburger Tor nun höchstens Fußballgejohle. Das Modezelt der Mercedes-Benz Fashion Week, wo in den vergangenen Jahren die meisten Shows stattfanden, musste der Fanmeile weichen.

Die Schauen fanden zum ersten Mal im Erika-Hess-Eisstadion im Wedding statt - von außen keine fotogene Kulisse. Und vielleicht war den Pfauen auch die Anreise in den Wedding aus hippen Berlin-Bezirken zu weit.

Sie sind nicht die einzigen, die dieser Fashion Week in Berlin fernblieben: Das vielversprechende Duo Achtland führt sein Label ab April in London. Große Modehäuser wie Boss oder Rena Lange zeigen schon seit einem Jahr nicht mehr in Berlin. Das Enfant terrible der deutschen Mode, Patrick Mohr, verzichtete auf eine große Schau und präsentierte in einem Schuh-Geschäft Sneakers, die er in Zusammenarbeit mit Reebok entwarf.

Schauen außerhalb

Modenschauen in einem Eisstadion - das hört sich erst mal spannend an. Eine Abwechslung zum gesichtslosen Zelt am Brandenburger Tor, das gern auf Weltläufigkeit machte, aber letztendlich immer eins blieb: ein großes Zelt, in dem es Gratis-Cola gab. Leider hat man sich wenig für das Erika-Hess-Stadion einfallen lassen, sondern einfach Sitze aufgestellt und einen roten Teppich ausgerollt.

Vielleicht zeigten deshalb so viele Modezelt-Stammgäste ihre Kreationen diesmal abseits. Dorothee Schumacher hat sich für die Elisabethkirche entschieden, Vladimir Karaleev für das Kronprinzenpalais, Dawid Tomaszewski für die Studiobühne der Deutschen Oper. Manche Designer verzichteten ganz auf eine Modenschau: Anstatt neue Kollektionen zu präsentieren, haben Labels wie Franzius und Vonschwanenflügelpupke lieber Pop-up-Stores aufgemacht.

Bread & Butter nur noch einmal jährlich in Berlin

Am Dienstagabend verkündete Karl-Heinz Müller, der Macher der "Bread & Butter", dass seine Modemesse Berlin für die Wintersaison den Rücken kehren wird. Im Januar 2015 wird sie in Barcelona stattfinden. Die "Bread & Butter" in Berlin soll es künftig nur noch einmal im Jahr geben.

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Mode für Männer: Schöpfung für die Herren

Foto: Chris Rinke

Dabei hieß es noch vor etwa acht Monaten, dass die "Bread & Butter" in Berlin ausgebaut werden soll - sie sollte um zwei Tage verlängert werden und an diesen Tagen allen zugänglich sein. Im Februar 2014 wurden die Pläne abgesagt: Den Ausstellern schien die Verlängerung zu aufwendig und zu teuer. Dafür gibt es ab September 2015 eine "Bread & Butter" auch in Seoul: Die Stadt sei "die neue Mode-Hauptstadt Asiens", sagte die Pressesprecherin. Sie sei jung und vielversprechend. Moment mal: jung und vielversprechend? War das nicht mal Berlin?

Laut der Senatsverwaltung für Wirtschaft haben mittlerweile rund 3500 Unternehmen aus der Modebranche in Berlin Fuß gefasst, 30 Prozent mehr als 2009. Die Branche setzte 2012 rund drei Milliarden Euro um und beschäftigte 19.200 Menschen. Das zeigt: es sind nicht nur brotlose Jungdesigner, die sich nach dem Studium selbstständig gemacht haben. Unternehmen wie Porsche Design oder Zalando haben mittlerweile Büros in Berlin. Es gibt also Mode in Berlin. Vielleicht passte aber eine große, laute, selbstgefällige Fashion Week nicht, um sie zu präsentieren.

Tropenklima in Berlin

Das heiß drückende Wetter während der Fashion Week gab den Designern die Chance zu zeigen, ob ihre Mode in einem heißen Sommer funktioniert: Viele hauchdünne, transparente Stoffe waren zu sehen, Cut-outs, zarte Spitze. Schumacher - neben Laurèl und Marc Cain eines der wenigen großen Modeunternehmen, das immer noch in Berlin zeigt - präsentierte zarte Seidenkleider und weich fallende Röcke in Nude, Weiß und zartem Gelb, die mit Schwarz kontrastiert wurden. Besonders gelungen waren die durchsichtigen Mäntel und Blusen, die die Arme wie eine Gaswolke umhüllen. Auf durchsichtige Stoffe setzten auch die Designer Dawid Tomaszewski, Vladimir Karaleev und Julian Zigerli.

"Sommerlich" ist kein Adjektiv, bei dem man sofort an Augustin Teboul denkt - bekannt für düster-grazile Entwürfe aus Leder, Gehäkeltem und Strick. Und doch waren die Blusen und Kleider aus grobmaschiger Spitze genau das. Eines der Models vertrug die Temperaturen in der Galerie Judin trotzdem nicht - und musste die Schau abbrechen. Die Modewoche in Berlin war heiß, schwül und seltsam unaufgeregt. Ein stilles Gewächshaus, in dem keine grellen Vögel mehr kreischen. Und vielleicht ist das gar nicht so schlecht.