Fastenmarathon Magier Blaine kommt aus der Kiste
London - Am späten Abend soll die an einem Kran hängende Box heruntergelassen werden. Aus dem Omelette, von dem der Hungerkünstler in seinem Gefängnis geträumt hat, wird allerdings noch nichts: Ärzte haben ihn gewarnt, dass er sterben könnte, wenn er sofort wieder richtig essen würde. Im Krankenhaus soll er zunächst mit Flüssignahrung wieder aufgepäppelt werden. Auch Sex mit seiner deutschen Freundin, dem Model Manon von Gerkan, ist tabu - davon könnte er einen Herzinfarkt bekommen.
Blaine leidet nach eigenen Angaben unter Atmungsproblemen, starkem Herzklopfen, Kopf- und Rückenschmerzen, Halluzinationen, Sehstörungen und Hautreizungen. Allerdings mangelt es nicht an Verschwörungstheorien, wonach er das alles nur vorgaukelt. Manche glauben, dass der Boden seiner Box mit einer durchsichtigen, aber sehr nahrhaften Paste bestrichen ist. Nach einer anderen These hat er sich Kapseln einpflanzen lassen, die jeden Tag Nährstoffe in seine Blutbahn abgeben. Wieder andere sagen, die Box sei nur ein Hologramm oder ein besonders raffinierter Filmprojektor. Der leibhaftige Blaine wird demnach rund um die Uhr an einem geheimen Ort gefilmt.
Dagegen spricht allerdings, dass eine Überprüfung seines Trinkwassers und seines Urins keine Hinweise auf Tricksereien erbracht hat. Der Ernährungswissenschaftler Prof. Marinos Elia sagte, die Zusammensetzung seines Urins sei genau die eines Hungernden.
Viel diskutiert werden Sinn und Unterhaltungswert der Aktion. "Man muss sich das mal klarmachen", kritisierte der Kolumnist Des Kelly: "Milliarden Menschen hungern jeden Tag, und keiner kümmert sich darum. Und dann geht ein pummeliger Showman für ein paar Wochen auf Diät, und wir sollen das toll finden." Nach einem Bericht des "Independent on Sunday" sind seit Beginn des Stunts am 5. September mehr als eine Million Menschen an den Folgen von Unterernährung gestorben.
Unbestreitbar ist allerdings, dass Blaines Nummer ein großer Publikumserfolg war. Die Aktion hat eine Viertelmillion Schaulustige angelockt. Darunter waren Prominente wie Paul McCartney, Pamela Anderson, Shirley Bassey und Naomi Campbell, aber auch Quälgeister, die ihn mit Eiern, Golfbällen und Farbbomben bewarfen und sogar einen ferngesteuerten kleinen Hubschrauber mit einem Burger um ihn herumkreisen ließen.
Blaines Millionenhonorar wird nach Zeitungsberichten durch die hohen Polizei- Kosten zu seiner Sicherung geschmälert. Sein Freund Uri Geller glaubt, dass er umgehend sein Fastentagebuch veröffentlichen wird. Außerdem plant er schon seinen nächsten Auftritt - er will zehn Minuten unter Wasser bleiben. Das Fasten-Experiment will er jedoch um keinen Preis der Welt wiederholen.