"FAZ"-Führungswechsel: "Eine Fülle von Vorgängen" - DER SPIEGEL
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"FAZ"-Führungswechsel "Eine Fülle von Vorgängen"

Mit einer "zerstörten Vertrauensbasis" und nicht mit politischen Differenzen hat die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" die Entlassung von Hugo Müller-Vogg begründet. Die CDU bedauert den Schritt.
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Frankfurt/Main - Am Mittwoch war Müller-Voggs letzter Arbeitstag als Herausgeber des "FAZ"-Lokalteils "Rhein-Main-Zeitung" und der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Die übrigen vier Herausgeber Günther Nonnenmacher, Jürgen Jeske, Berthold Kohler und Frank Schirrmacher hätten dies am Dienstag "schnell und einstimmig" beschlossen, sagte der "FAZ"-Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Wolfgang Pfeifer. Die "FAZ" (verkaufte Auflage: 400.000 Exemplaren) ist zusammen mit der "Süddeutschen Zeitung" Auflagenführer bei den überregionalen Tageszeitungen.

Die Kündigung sei die Eskalation eines seit längerem schwelenden Konfliktes gewesen, erläuterte Pfeifer am Mittwoch. "Irgendwann kommt dann jemand und sagt, er hält das nicht mehr aus. Das haben in dem Fall vier Leute getan."

Aus "FAZ"-Kreisen hieß es, der Grund für die Entlassung seien auch Indiskretionen gewesen. In den Medien wurde spekuliert, dass Müller-Vogg Interna an die Tageszeitung "Welt" weitergegeben habe. "Darüber ist geredet worden, das mag einer der Gründe gewesen sein", sagte Pfeifer, "aber es war eine ganze Fülle von Vorgängen. Wenn ein Verhältnis zerrüttet ist, geschieht das nicht von heute auf morgen."

Pfeifer betonte, die Trennung von Müller-Vogg habe keinen politischen Hintergrund. Die "Welt" hatte kürzlich von einem politischen Richtungsstreit zwischen Müller-Vogg und Schirrmacher geschrieben. Der CDU-nahe Müller-Vogg habe sich in der "Rhein-Main-Zeitung" kritischer mit der Vergangenheit von Außenminister Joschka Fischer auseinander gesetzt als der für das Feuilleton zuständige Schirrmacher. Nonnenmacher hatte diese Darstellung der "Welt" als "absoluten Blödsinn" zurückgewiesen.

"Jedes Gespräch mit ihm war und ist ein Gewinn"

Pfeifer nannte es am Mittwoch "aberwitzig", die Kündigung "am Fall Fischer aufzuhängen. Mann muss schon eine ziemlich ausgefranste Phantasie haben, um das ausgerechnet auf die Politik zu schieben."

Hessens Regierungssprecher Dirk Metz (CDU) sagte zu der Entlassung auf Anfrage, Müller-Vogg sei eine "markante profilierte Persönlichkeit". Auch wenn die Landesregierung sich nicht in die Belange einer angesehenen Zeitung einmische, wolle er nicht verhehlen, "dass Müller-Vogg ein Gesprächspartner war und ist, den wir schätzen". Die Entwicklung tue ihm und Ministerpräsident Roland Koch "menschlich leid", sagte Metz. "Jedes Gespräch mit ihm war und ist ein Gewinn."

Über die Nachfolge Müller-Voggs ist bislang nicht entschieden. "Ich glaube nicht, dass wir uns da viel Zeit zu nehmen brauchen oder das wollen", sagte Nonnenmacher. Die Rhein-Main-Redaktion sei eine zu wichtige Redaktion und das Herausgebergremium ein zu wichtiges Gremium, um die Position länger unbesetzt zu lassen. Nach Angaben Pfeifers hat es noch keine Gespräche mit potenziellen Nachfolgern gegeben. Mehrheitsgesellschafter der "FAZ" ist die Fazit-Stiftung, die Herausgeber halten zusammen knapp fünf Prozent und sind nicht gewinnberechtigt.

Die Regularien sehen nach Angaben Pfeifers vor, dass die vier Herausgeber Vorschläge machen, über die dann beraten wird. Die Herausgeber müssten mehrheitlich entscheiden, also mindestens mit drei Stimmen zu einer. "Aber es wäre nicht intelligent, einen Herausgeber zu bestimmen, wenn einer von ihnen Bedenken hat", meinte Pfeifer. Die Anteile Müller-Voggs am Blatt gehen an seinen Nachfolger über.

Müller-Vogg ist nach Paul Sethe und Jürgen Tern in der gut 50-jährigen Geschichte der "FAZ" erst der dritte Herausgeber, dem gekündigt wurde. Tern wurde zum Jahresende 1970 von den anderen Mitgliedern entlassen, weil ihnen die Kommentierung von Willy Brandts Ost-Politik zu positiv geworden war.

Bei der "FAZ" scheinen die Zeiten insgesamt unruhig zu sein: Anfang Februar verabschiedeten sich Feuilleton-Ressortleiter Ulrich Raulff, Literatur-Chef Thomas Steinfeld und die Berliner Kultur-Korrespondentin Franziska Augstein zur "Süddeutschen Zeitung" nach München.