Feine Gesellschaft: Rotlicht-Königin der Herzen - DER SPIEGEL
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Feine Gesellschaft Rotlicht-Königin der Herzen

Ein Herz und eine Krone: Die wilde Vergangenheit der künftigen Regentin bringt Norwegens Königshaus in die Schlagzeilen. Jetzt geht dort die Angst um vor weiteren Enthüllungen über Mette-Marit Tjessem Hoiby - und vor möglichen Erpressungsversuchen.
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Oslo - Das norwegische Königshaus befürchtet offenbar kriminelle Machenschaften gegen die künftige Kronprinzessin wegen ihrer wilden Jugend. Am Tag vor der Eheschließung mit Thronfolger Haakon berichtete die Zeitung "Dagbladet", dass bei der Osloer Polizei mehrere Tipps über geplante Erpressungsversuche eingegangen seien. In dem Zeitungsbericht hieß es, dass "nicht publiziertes Material" über diese Vergangenheit Hintergrund für das öffentliche Eingeständnis gewesen seien.

Dem Blatt zufolge hatte die künftige Kronprinzessin 1995 einen wegen Gewalttätigkeit und Drogen vorbestraften Ex-Freund aus Osloer Techno-Kreisen angezeigt, der sie bedroht habe. Die Ermittlungen wurden aber ergebnislos eingestellt.

In den Tagen vor der ersten königlichen Hochzeit in Norwegen seit 33 Jahren scheinen die Bürger des Landes jedoch ihren Frieden mit der zukünftigen Regentin gemacht zu haben. "Vom Volk ins Herz geschlossen" titelte die norwegische Zeitung "Verdens Gang" nach der emotionsgeladenen Pressekonferenz der königlichen Braut Mette-Marit Tjessem Hoiby am Mittwoch, in der diese sich zu ihrer wilden Vergangenheit bekannt hatte.

Die Zeitung veröffentlichte eine Umfrage unter 509 Personen, die die im Fernsehen übertragenen Äußerungen Mette-Marits verfolgt hatten. Dabei räumte die Mutter eines vierjährigen Sohnes den Tränen nahe indirekt ein, auf Partys Rauschgift genommen zu haben. "Es war eine teure Erfahrung für mich, und ich habe lange gebraucht, um darüber hinwegzukommen", entschuldigte sie sich. Heute sei sie gegen Drogen. In der Norsk-Gallup-Umfrage erklärten 84 Prozent, es sei positiv, dass sich die Braut ehrlich über ihre Vergangenheit geäußert habe. 70 Prozent waren der Ansicht, dass sie als künftige Königin geeignet sei.

Partykönigin als Kronprinzessin

"Sie muss einen guten Eindruck gemacht haben, denn diejenigen, die ihre Meinung geändert haben, sehen sie jetzt positiver", sagte Gallup-Mitarbeiter Nils Vibe. Im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses steht die 28-Jährige bereits seit 15 Monaten, als der gleichaltrige Kronprinz Haakon bekannt gab, dass Mette-Marit und ihr Sohn Marius bei ihm einzögen. Einige führten die zurückgehende Popularität des norwegischen Königshauses auf die Auserwählte Haakons zurück. Denn in einer im Juni veröffentlichten Umfrage erklärten 70 Prozent der Befragten, der Status der Monarchie habe sich ihrer Ansicht nach in den vergangenen Jahren abgeschwächt.

Hälfte der Neugeborenen sind unehelich

Vor allem ältere Norweger waren von der nichtehelichen Lebensgemeinschaft im Königshaus wenig begeistert. Zwar kommt etwa die Hälfte aller Neugeborenen in dem skandinavischen Land als Kinder unverheirateter Mütter zur Welt, doch das ausschweifende Vorleben Mette-Marits überschritt für viele offenbar eine Grenze. Nun begrüßten aber auch 80 Prozent der über 60-Jährigen Mette-Marits freimütige Bekenntnisse über ihre Vergangenheit, und 65 Prozent sehen in ihr eine passende Königin.

Ministerpräsident Jens Stoltenberg bezeichnete die Hochzeit am morgigen Samstag in der Wirtschaftszeitung "Dagens Naeringsliv" als Triumph, "denn sie wäre nicht möglich gewesen ohne den jahrzehntelangen Kampf um Respekt für allein erziehende Mütter". Der unehelich geborene Sohn Marius kann allerdings nach der Verfassung niemals König werden.

Hochzeitsprobleme haben Tradition

Haakons Mutter Sonja hatte vor ihrer Hochzeit mit dem damaligen Kronprinzen und heutigen König Harald V. 1968 ganz andere Probleme: Sie war eine Bürgerliche und musste neun Jahre warten, bis Haralds Vater, König Olav V., seine Forderung nach einer Heirat seines Sohnes mit einer Adligen aufgab. "Meine eigene Hochzeit erschien mir unwirklich", sagte Sonja im Privatsender TV-2. Anfänglich sei es ihr merkwürdig vorgekommen, dass ihr Sohn eine ledige Mutter heiraten wollte. "Aber nachdem ich sie kennen gelernt hatte, hatte ich damit kein Problem."