Felix Austria "Exilbundeskanzler" sucht Auswanderungswillige
Hamburg - Die Adresse der Exilregierung ist ein Fake: Ruft man die angegebene Nummer in Brüssel, erreicht man die dortige österreichische Botschaft - die der "echten" Regierung. Über die zweite Nummer dagegen erreicht man den "Bundeskanzler" persönlich. Sein "Exil" hat Retep Sorbma - so nennt sich der virtuelle Staatsmann auf der Homepage der österreichischen Exilregierung - in Wien gesucht. Liest man den Namen rückwärts, kommt man auf Peter Ambros. Er ist Medienkaufmann in Wien - und eine durchaus schillernde Persönlichkeit. Auf dem Foto zeigt sich der Kopf der Exilregierung mit getönter Brille und Strohhut, selbst bezeichnet er sich als überzeugten Kapitalisten "im amerikanischen Sinne". Er hat Theologie studiert und BWL, das "Kapital" ebenso gelesen wie die Bibel - und bei der letzten Wahl Haiders FPÖ gewählt.
Der Homepage merkt das jedoch selbst der bemühte Surfer nicht an. Dort gibt der 48-Jährige die Termine von Anti-Haider-Demos bekannt, verlinkt zum Webring "Gegen Blau-Schwarz" , verweist auf das "Widerstandscamp" und das "Auswanderungsbüro", das er auf seinem 1000 Quadratmeter großen Betriebsgelände zur Verfügung gestellt hat - und wartet auf "politisch verfolgte" Alpenrepublikaner. "Wenn alle sagen, in Österreich ist es so schlimm, dann müssen sie auswandern."
Was bei dem engagierten Herrn aus der Fröhlichgasse satirisch und was ernst gemeint ist, lässt sich schwer unterscheiden. Eigentlich, so behauptet der "Regierungschef", würde er sich schon freuen, wenn er auf der Suche nach "politisch verfolgten" Österreichern fündig würde. Gerade in Belgien, dem Land, das nach der Regierungsbildung das Skifahren in Österreich für unmoralisch erklärt hat, würde er gern mal um Asyl anklopfen. "Da organisiere ich sofort einen Sonderzug nach Brüssel."
Aber dazu wird es wohl nicht kommen. Bis jetzt hat sich noch kein Österreicher in dem Auswanderungsbüro gemeldet, der ernsthaft das schwarz-blau regierte Land verlassen wollte. Das verwundert den Exilherrscher aber nicht übermäßig: "Ich bin schon viel in der Welt rumgekommen. Aber in Österreich ist es halt doch am schönsten."