Ferguson: Daten zu "Racial Profiling" bei Polizeikontrollen - DER SPIEGEL
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Proteste: Eskalation in Ferguson

Foto: AP/ St. Louis Post-Dispatch

Polizeistatistik Schwarze werden in Ferguson öfter kontrolliert

Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Proteste reißen nicht ab: Nach dem Tod von Michael Brown demonstrieren Schwarze in Ferguson gegen Polizeigewalt und Rassismus. Daten der Regierung zeigen, dass sie überproportional häufig kontrolliert und durchsucht werden.

Ferguson/St. Louis - Seit zehn Tagen herrscht Wut in Ferguson, einer Kleinstadt im US-Bundesstaat Missouri, im sogenannten Heartland der Vereinigten Staaten. Die Wut der mehrheitlich schwarzen Bevölkerung richtet sich gegen die Polizei. Auslöser waren die tödlichen Schüsse eines weißen Polizisten auf den schwarzen Teenager Michael Brown.

Mindestens sechs Kugeln sollen den unbewaffneten 18-Jährigen getroffen haben. Es habe zuvor einen Angriff gegeben, verteidigt sich die Polizei. Browns Verwandte vermuten hingegen rassistische Motive, jeden Tag kam es seither in Ferguson zu Protesten.

Wie unter einem Brennglas werden in der 20.000-Einwohner-Stadt die alten Gräben in der US-Gesellschaft deutlich. In vielen Städten gab es Demonstrationen gegen Polizeigewalt und Rassismus, in Washington versammelten sich Studenten der afroamerikanischen Howard University, sie sprachen über ihre Gefühle der mangelnden Gerechtigkeit und der eingeschränkten Chancen. Michael Brown, so lautete die Botschaft, geht uns alle an.

Zwei Drittel der Bevölkerung von Ferguson sind schwarz, aber 50 der 53 Polizeibeamten sind weiß, genauso wie Bürgermeister, Feuerwehr- und Polizeichef. Offenbar hatte es in der Vergangenheit öfter den Vorwurf der Vorverurteilung durch die Behörden gegeben. Aus Angst vor dem gezielten Überprüfen einer bestimmten ethnischen Gruppe - dem sogenannten Racial Profiling - fügte der Staat Missouri im August 2000 eine Passage im Gesetz hinzu .

Demnach müssen Polizisten, die einen Verkehrsteilnehmer anhalten, Angaben zu dessen "Alter, Geschlecht und Rasse" machen. Außerdem muss festgestellt werden, ob der Überprüfte einer Minderheit angehört - damit sind unter anderem Menschen mit afrikanischen Wurzeln gemeint.

Daten werden gesammelt und der Staatsanwaltschaft überreicht, die wiederum dem Gouverneur berichtet. Als Maßnahme für Racial-Profiling-Verstöße kann dieser Gelder für die Behörden zurückhalten.

Eine Auswertung der Daten für Ferguson  zeigt, dass Schwarze in der Kleinstadt überproportional oft im Verkehr kontrolliert werden:

Doch nicht in jedem Vergleich sind die Anteile der Schwarzen deutlich höher. Bei den Durchsuchungen während einer Verkehrskontrolle wurden bei Weißen prozentual häufiger illegale Gegenstände gefunden. Darunter fallen in der Statistik vor allem Drogen, aber auch Waffen und Diebesgut.

Insgesamt wurden in Ferguson laut der offiziellen Statistik 611 Fahrzeuge durchsucht, nur in 22 Fällen dauerte dies länger als eine Viertelstunde.

Die Daten für den gesamten Bundesstaat zeigen zudem, dass dieses Missverhältnis auch flächendeckend gilt (die Daten finden Sie hier ). Im vergangenen Jahr wurden von je 100 Schwarzen ab 16 Jahren 56 kontrolliert, jedoch nur 34 von je 100 Weißen. Ein deutlicher Unterschied, der sich seit 2004 stark vergrößert hat.

Wie die Proteste in Ferguson weitergehen, ist derzeit kaum abzusehen. Die Angehörigen von Michael Brown fordern die Festnahme des Polizisten, der die tödlichen Schüssen abgegeben hatte. Doch dieser ist bisher nur mit fortlaufenden Bezügen freigestellt. Sein Aufenthaltsort ist unbekannt. Der Gouverneur hat die Nationalgarde nach Ferguson beordert, um die Situation zu beruhigen.

Laut einer am Montag veröffentlichten Umfrage des Pew-Instituts glauben 80 Prozent der schwarzen Amerikaner, der Fall werfe wichtige Fragen zu Rassismus in den USA auf. Von den befragten Weißen waren dagegen nur 37 Prozent dieser Ansicht.

Lesen Sie hier eine Chronologie der Ereignisse in Ferguson.

Chronologie
3 Min
hut/gam/che/dpa