Feuer-Inferno von Enschede: Zweiter Fabrikbesitzer hat sich gestellt - DER SPIEGEL
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Feuer-Inferno von Enschede Zweiter Fabrikbesitzer hat sich gestellt

Nach Willem Pater hat sich jetzt auch Ruud Bakker, der zweite mit internationalem Haftbefehl gesuchte Besitzer der explodierten Feuerwerksfabrik, gestellt. Er wurde sofort festgenommen. In einem Trauermarsch gedachten 100.000 Menschen in Enschede der Opfer.
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Almelo/Enschede - Die Justiz teilte lediglich mit, dass Bakker auf einem Revier in der Umgebung von Enschede festgenommen worden sei. Sein Kompagnon Willem Pater hatte sich am Freitagabend auf einem Polizeirevier gemeldet.

Bakker war zuletzt in Enschede gesehen worden, als er nach der Katastrophe verletzt vom Katastrophenort flüchtete. Danach hatte er sich in einem Krankenhaus in der deutschen Stadt Gronau behandeln lassen, ehe er vorübergehend untertauchte.

Die Justiz machte am Samstag deutlich, dass vorerst keine weiteren Angaben über die Vernehmungen der beiden gemacht werden. "Wir brauchen Ruhe für die Ermittlungen", sagte eine Justizsprecherin. Deshalb werde eine "Funkstille" gegen die Medien verhängt.

In der Unglücksstadt gedachten am Freitagabend rund 100.000 Menschen der Opfer. Die Suche nach den restlichen Opfern sollte an diesem Wochenende abgeschlossen werden. Die Stadtverwaltung korrigierte unterdessen die Zahl der geborgenen Toten um eine Person auf 16. Auch werden nur noch sechs Menschen vermisst.

An dem Schweigemarsch vom Freitagabend nahmen auch zahlreiche Deutsche teil, die über die nahe Grenze angereist waren. Die Trauernden legten Berge von Blumen an einer Gedenkstätte nieder. Der niederländische Ministerpräsident Wim Kok und Kronprinz Willem- Alexander beteiligten sich ebenfalls an der Gedenkveranstaltung.

Die Staatsanwaltschaft in Almelo verdächtigt die beiden Besitzer des Unternehmens S.E. Fireworks, für das Inferno verantwortlich zu sein. Die Fabrikdirektoren sollen nach Medienberichten auf dem Firmengelände in dem Wohngebiet hochgefährliche Feuerwerkskörper ohne Genehmigung produziert haben. Dabei könne es sich um "Fontänen" gehandelt haben, die möglicherweise Magnesium und Schießpulver enthielten. Außerdem gab es Presseberichte über illegal gelagertes Material. Luftaufnahmen des Fabrikgeländes kurz vor der Explosion, die am Freitag bekannt wurden, zeigen offen stehende Türen an Bürogebäuden und Lagereinrichtungen. Dies deutet darauf hin, dass am Samstag in dem Werk gearbeitet worden sei, hieß es.

Bakker ist nach Angaben seines Anwaltes erst nach dem Feueralarm am 13. Mai auf das Fabrikgelände gekommen. Dort habe er die Feuerwehr getroffen und die Zusicherung erhalten, dass "alles unter Kontrolle" sei. Dann habe er aber die Gefahr erkannt und sei geflüchtet.

Alle 16 Toten seien identifiziert, sagte Bürgermeister Jan Mans. Nachdem am Freitag noch von 17 geborgenen Leichen ausgegangen worden war, seien den Toten weitere Leichenteile zugeordnet worden. Von den 946 bei der Explosion verletzten Menschen lägen noch 23 in Krankenhäusern. Von der Liste mit zuletzt zehn Vermissten seien vier Namen gestrichen worden. Für die übrigen gebe es aber kurz vor dem erwarteten Ende der Opfersuche nur wenig Hoffnung.

Im deutschen Melle (Niedersachsen) räumte eine Spezialfirma am Samstag ein illegales Lager mit sechs Tonnen Feuerwerkskörpern. Die Sprengkörper wurden in das ehemalige Bundeswehrdepot Emsbüren- Elbergen transportiert, sagte eine Sprecherin des Gewerbeaufsichtsamtes. Gegen den Besitzer der Halle läuft ein Ermittlungsverfahren. Auch ein in Bad Bentheim entdecktes illegales Lager mit rund 100 Tonnen Feuerwerkskörpern ist inzwischen geräumt.