Fiat Giovanni Agnelli ist tot
Rom - Schlohweißes Haar über dem braun gebrannten, faltenzerfurchten Gesicht. Schmale harte Lippen. Eine kräftige Nase. Grau-blaue Augen, die ihr Gegenüber fixieren wie eine Beute.
Die US-Illustrierte "Life" sah in diesen Zügen "die Physiognomie von Julius Cäsar". "Paris Match" erkannte das klassische "Bild des Heerführers" und das US-Magazin "Time" schwärmte von einem "florentinischen Prinzen". Kurz: Gianni Agnelli, Padre-Padrone des Fiat-Clans und ungekrönter König Italiens, war ein beeindruckender Kopf.
Nun ist Agnelli, 81 Jahre alt, in seinem Haus in Turin gestorben. Er litt an Prostatakrebs und hatte sich erst kürzlich einer Behandlung in New York unterzogen.
Agnelli war das Oberhaupt der reichsten und mächtigsten Familie Italiens. Der Sippe gehört ein kaum überschaubares Imperium von etwa 500 Firmen und Firmenbeteiligungen, von Kaufhäusern, Versicherungen und Elektrizitätswerken bis zum Produzenten von Banknotenpapier und dem erfolgreichsten Fußballclub Italiens - Juventus Turin.
Vor allem aber herrscht die Familie als Eigner des größten Aktienpakets über die "Fabbrica Italiana di Automobili Torino", kurz: Fiat - das industrielle Herz Italiens.
Giovanni Agnelli hatte 30 Jahre lang - von 1966 bis 1996 - den Fiat-Konzern als Präsident geleitet. Danach wurde er zum Ehrenpräsidenten ernannt und galt weiterhin als die graue Eminenz der Agnelli-Familie. Er spielte bis zuletzt eine wichtige Rolle bei der Suche nach einer Lösung der Fiat-Krise. Das Unternehmen ist schwer verschuldet. Sein Bruder Umberto sollte am heutigen Freitag die Führung des Konzerns übernehmen.