Flirten mit Fernbedienung - DER SPIEGEL
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NACHTLEBEN Flirten mit Fernbedienung

• aus DER SPIEGEL 48/2001
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Dieser Laden ist definitiv kein Treffpunkt für Leute, die fürchten, nach dem 11. September könne New York zu einer Stadt der totalen Überwachung werden: Beim Betreten der »Remote Lounge«, der neuesten Szene-Bar im East Village, gibt der Besucher das Recht auf Privatsphäre mit dem Mantel ab. Ein Schild weist die Gäste darauf hin, dass ihr Leben hier zur öffentlichen Sache wird. Das hat juristische Gründe: Verklagen chancenlos. Was dem Besucher zunächst wie ein Club aus George Orwells Buch »1984« vorkommt, ist eher die moderne Version der Telefon-Bars aus den frühen Achtzigern. Über 60 Kameras überwachen hier das Treiben der Gäste. Spannen und gespannt werden ist in dieser »digitalen Entertainment Lounge« das Motto, kombiniert werden »Kunst, Technologie und Nightlife«, erläutert die Web-Seite der Bar. An »Cocktail-Konsolen« können Gäste ihre Augen wandern lassen, Mini-Kameras werden per Joystick auf andere Gäste fokussiert. So können sich die Besucher durch mehr als 70 Kanäle zappen und nach möglichen Objekten ihrer Begierde suchen, ohne die Konsole zu verlassen. Kontaktaufnahme mit dem oder der Erwählten erfolgt über Computer-Botschaften oder Telefon. Bob Stratton, einer der drei Besitzer der Lounge, ist von der Zukunft des Modells überzeugt: »Die Bar ist ideal, um das Eis zu brechen. Die Leute bedienen sich immer der neuesten Technologie, um zu flirten.«

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