Flüchtlingsdrama Frachter funkt SOS vor Togo
Lomé - Bei der Irrfahrt des Flüchtlingsschiffes vor der westafrikanischen Küste ist noch kein Ende in Sicht. Am Freitag trieb der schwedische Frachter mit 186 mutmaßlichen Flüchtlingen aus Liberia an Bord offenbar manövrierunfähig vor der Küste von Togo und funkte SOS. Der togoische Außenminister Koffi Panou sagte, sein Land werde dem Schiff und den Menschen darauf helfen, die Reise fortzusetzen, es aber nicht in einem Hafen festmachen lassen.
Die "Alnar" war am 1. Juni aus Monrovia ausgelaufen. Laut des schwedischen Kapitäns Henning Kielberg sind von den Flüchtlingen 79 Kinder, 63 Frauen und 44 Männer. Kielberg sagte, viele Menschen an Bord seien krank, und es gebe keine Medikamente. Auch litten viele an Hunger und Durst. Aus Sorge um das Schicksal der Passagiere hatten sich die nigerianischen Behörden am Mittwoch bereit erklärt, das Schiff anlegen zu lassen. Aus unbekannten Gründen lief die "Alnar" aber nicht Nigeria an, sondern nahm Kurs auf das in entgegengesetzter Richtung liegende Togo.
Seit seinem Auslaufen aus Liberia hatte Kapitän Kielberg mehrmals vergeblich versucht, einen Hafen anzulaufen, jedoch weder in Ghana noch in Benin eine Erlaubnis zum Festmachen bekommen. Auch der togoische Minister Panou sagte, man habe Zweifel, dass es sich bei den Passagieren wirklich um Flüchtlinge handele. Er glaube vielmehr, dass sie nach Europa oder den USA weiterreisen wollten. Dagegen nimmt das Uno-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) an, dass es sich bei den Passagieren zumindest teilweise um Flüchtlinge handelt.
Alle Passagiere hätten für ihre Fahrt bezahlt, sagte Kielberg. Nach fast drei Wochen auf See habe er jedoch nicht mehr genug Treibstoff, um nach Liberia zurückzukehren. Die UNHCR-Sprecherin Millicent Mutuli sagte in Genf, ihre Organisation habe um Zugang zum Schiff gebeten, um herauszufinden, ob es sich bei den Passagieren um echte Asylbewerber handele.