Flüchtlingsschiff "Tampa" Rettung in Sicht
Sydney - Premierministerin Helen Clark erklärte in Wellington, ihr Land sei bereit, das Schiff in eigene Hoheitsgewässer zu geleiten. Danach würden die Flüchtlinge bis auf weiteres zur Prüfung von Asylanträgen in einem Lager aufgenommen.
Kurz zuvor hatte sich der Konflikt zwischen Australien und Norwegen verschärft, als schwer bewaffnete australische Soldaten die "Tampa" enterten. Mit der Entsendung von Soldaten hatte die Regierung in Canberra darauf reagiert, dass der norwegische Kapitän ohne Genehmigung Kurs auf die australische Weihnachtsinsel genommen hatte.
Der norwegische Frachter sei unter der Kontrolle von Spezialkräften der Armee, hatte Ministerpräsident John Howard vor dem Parlament in Sydney gesagt. Die Soldaten hätten den Kapitän angewiesen, wieder in internationale Gewässer abzudrehen. Der Frachter hatte die mehr als 400 zumeist afghanischen Flüchtlinge vier Tage zuvor von einem in Seenot geratenen indonesischen Schiff gerettet. Sowohl Australien wie auch Indonesien weigern sich, die Flüchtlinge aufzunehmen.
Howard sagte, der Frachter habe internationales Recht gebrochen, indem er das australische Einreiseverbot missachtet habe. Die "Tampa" habe die Seegrenze Australiens am Morgen durchbrochen und liege nun vier Meilen vor der Küste der Weihnachtsinsel, sagte der Hafenmeister der Insel, Don O'Donell. Australische Medien berichteten, drei Hochgeschwindigkeitsboote hätten sich dem Frachter genähert, als der die Seegrenze überfahren hätte. Das nationale Gewässer beginnt zwölf Meilen vor der Küste.
Der Kapitän des Schiffes hatte in der Nacht ein Notsignal gegeben, weil sich nach Auskunft der Reederei der Gesundheitszustand zahlreicher Flüchtlinge verschlechtert habe. Auch Norwegen weigert sich, die Menschen aufzunehmen.
Howard hatte am Mittwoch nach dem Notsignal des Frachters zugesagt, die Hilfe seines Landes für die Flüchtlinge zu beschleunigen. Lebensmittel, Wasser und medizinische Hilfe würden nun schnell an Bord des Schiffes gebracht, sagte er einem australischen Rundfunksender. Ein Arzt könne auf der "Tampa" landen. Ein Sprecher der Reederei, in deren Auftrag der Frachter nach Indonesien unterwegs ist, sagte, der Kapitän habe wegen des schlechten Gesundheitszustandes zahlreicher Flüchtlinge das Notsignal gesendet. Einige der Flüchtlinge waren in einen Hungerstreik getreten, nachdem sich abzeichnete, dass weder Indonesien noch Norwegen und Australien zu einer Aufnahme bereit waren.
Australien wehrt sich mit strengen Gesetzen gegen die zunehmende Zahl von Einwanderern aus Asien. Australien nimmt pro Jahr 100.000 Einwanderer sowie 12.000 Flüchtlinge auf. Etwa 5000 Menschen gelingt es zudem jährlich, illegal ins Land zu kommen.
Weitere Flüchtlingsgruppe macht sich auf den Weg
Nach Angaben des Flüchtlingshilfswerkes der Vereinten Nationen, UNHCR, bereitet sich eine weitere große Flüchtlingsgruppe vor, von der indonesischen Insel Lombok aus nach Australien zu fahren. Zusätzlich zu den Menschen an Bord der "Tampa" habe man Kontakt mit einigen hundert Menschen auf Lombok, die versuchten, nach Australien zu gelangen, sagte eine UNHCR-Sprecherin dem australischen Rundfunksender ABC.
Die australische Regierung erhielt für ihre Haltung am Mittwoch Unterstützung in der Bevölkerung und wurde in vielen Kommentaren und Stellungnahmen überschwänglich gelobt. Von knapp 15.000 Teilnehmern einer Umfrage sprachen sich nach Angaben der in Melbourne erscheinenden Zeitung "Herald Sun" 96 Prozent gegen eine Aufnahme der Flüchtlinge aus. "Bei diesen Menschen handelt es sich um Piraten, Räuber und Diebe", schrieb ein Leser der Zeitung "Sydney Morning Herald" und sprach damit offensichtlich die Meinung vieler aus. Viele Australier kritisieren, dass Menschen auf illegalen Wegen versuchen, ins Land zu kommen. Ende des Jahres finden in Australien Wahlen statt. Die konservative Regierung Howards kann sich ihrer Wiederwahl bisher nicht sicher sein.