Flughafen Frankfurt: SARS-Kontrolle? Fehlanzeige - DER SPIEGEL
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Flughafen Frankfurt SARS-Kontrolle? Fehlanzeige

Flugreisende aus Asien sind überrascht, wenn sie in Frankfurt am Main eintreffen. Von einer SARS-Kontrolle keine Spur. Haben die Behörden wirklich alles im Griff?
Von Holger Kulick
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt/Berlin - Walter Momper war betroffen. Fünf Tage lang hatte Berlins Parlamentspräsident mit einer Delegation Chinas Hauptstadt Peking besucht, eigentlich um eine Städtepartnerschaft auszubauen. Doch die Visite stand ganz im Zeichen von SARS. Schulen, Theater, Restaurants waren dicht und die Straßen kaum bevölkert. Und sein wichtigster Gesprächspartner, Pekings Oberbürgermeister, wurde gerade wegen SARS abgelöst. Sein Nachfolger sagte den Gästen unverblümt, dass es zu einer Katastrophe kommen würde, wenn China und seine Stadt bei der Bekämpfung der Seuche versagten.

Als sich die Delegation am Wochenende auf den Rückflug machte, kam sie ins Grübeln. Auf dem Flughafen Peking mussten nur Fragebögen ausgefüllt werden: "Haben Sie Fieber?". "Natürlich nicht sagt da jeder Reisewillige", schüttelt Walter Momper den Kopf, aber noch mehr über das, was nach seiner Ankunft auf dem Frankfurter Rhein-Main-Flughafen geschah. Nämlich Nichts. "Wir waren merkwürdig berührt", schildert Berlins ehemaliger Regierender Bürgermeister, "dass in Frankfurt nicht einmal beim ankommenden Peking-Flug jemand fragte: Waren Sie in Südchina, wo die Seuche besonders grassiert?".

Ministerschelte aus Rom

Mompers Erfahrung teilt ein weiterer kompetenter Reisender. Der Frankfurter Arzt Wolfgang Preiser, der bis zum Samstag mit einem Team der Weltgesundheitsorganisation WHO in China war, beklagt, "dass die Kontrolle der Flugreisenden noch nicht oder nur unzureichend funktioniert". Sars könne noch immer allzu leicht nach Europa eingeschleppt werden, warnt der Virologe.

Zuvor hatte sich bereits der Hallenser Mikrobiologe Alexander Kekulé im Berliner "Tagesspiegel" darüber mokiert, dass sich Passagiere aus SARS-betroffenen Regionen an deutschen Flughafen-Passkontrollen ausliegende Merkzettel freiwillig mitnehmen könnten - "oder auch nicht".

Genau in diese Kerbe hat jetzt auch Italiens Gesundheitsminister Girolamo Sirchia geschlagen und greift die laxe Überwachung in der Bundesrepublik besonders scharf an. Nach einem Bericht des Hamburger Abendblatts vom Dienstag wirft Sirchia der deutschen Seite vor, Einreisende nicht sorgfältig genug zu kontrollieren: "Die Filter an einem so großen Flughafen wie Frankfurt arbeiten nicht genau".

Der Hintergrund der Minister-Attacke: Am 23. April war eine an Bronchitis erkrankte Frau mit einer Lufthansa-Maschine von Shanghai nach Frankfurt geflogen und stieg dort ungehindert nach Rom um, wo sie mit schwerem Fieber eintraf. Die deutschen Behörden hätten nichts unternommen, so der Vorwurf aus Italien.

Im deutschen Gesundheitsministerium war diese Beschwerde am Mittwochmittag noch unbekannt. Und was Walter Mompers Kritik betrifft, wäre er aus Peking doch gar nicht herausgekommen, wenn er Symptome gehabt hätte, entgegnet Pressesprecherin Annelies-Ilona Klug. Die deutschen SARS-Experten, die sich täglich mit dem Ministerium koordinierten, sähen nach wie vor keinen Anlass, Einreiseverbote auszusprechen, "egal, ob Herr Momper das für sinnvoll hält". Und für die Kontrollen an den Flughäfen seien die Bundesländer zuständig.

Abwartendes Frankfurter Kompetenzzentrum

In Hessen wurde für SARS-Fälle am Flughafen extra ein so genanntes Kompetenzzentrum gebildet, beschreibt der Frankfurter Flughafenarzt Rainer Hofmann: "Wir sind nur ausführendes Organ". Und ihm liege nach wie vor kein Auftrag vor, Einreisende aus Asien prinzipiell untersuchen zu lassen, "diese Weisung müsste ja auch länderübergreifend erfolgen, wenn sie Sinn machen soll", konstatiert der Arzt der Frankfurter Flughafenklinik.

Zum Stab des übergeordneten hessischen Kompetenzzentrums zählen Fachleute des Frankfurter Gesundheitsamts, des Hessischen Sozialministeriums, der Frankfurter Feuerwehr und der Uniklinik Frankfurt. Ausweitung von Kontrollen seinen derzeit nicht geplant, heißt es dort. Ursel Heudorf, die stellvertretende Leiterin des Frankfurter Gesundheitsamts, geht davon aus, dass Flugzeug-Crews Verdachtsfälle zuverlässig von sich aus melden, das sei auch so angewiesen worden. Für Reisende in SARS-Krisengebiete gebe es eine eigene Infosite im Internet und es seien mehrere tausend Info-Blätter gedruckt worden. Sie gehe auch davon aus, "dass diese Merkzettel ausgehändigt werden und nicht nur herumliegen". Nun wolle sie den Berichten nachgehendem, dass dem nicht so sei.

Für Intensivbefragungen oder körperlichen Untersuchungen von Reisenden gibt es nach Einschätzung der hessischen Expertin jedoch derzeit keinen Anlass. "Wenn sich die Situation verändert, werden wir allerdings darauf reagieren müssen".

Nutzlose Gesundheitschecks?

Solange es keinen einfachen SARS-Test gebe, mache aus medizinischer Sicht ein solcher Gesundheits-Check ohnehin keinen Sinn, meint Flughafenarzt Hofmann. Außerdem müssten bei täglich zehn ankommenden Fliegern aus Asien "bis zu 3000 Passagiere untersucht werden, wie soll das gehen?". Deshalb verlasse man sich darauf, "dass wer aus Asien rausfliegt, bereits gescreent ist". Außerdem habe das mittlerweile für SARS geschulte Flugpersonal während eines 12-Stundenflugs aus China genügend Zeit, "mit großen Ohren und Augen" über die Fluggäste zu wachen.

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