Flugschau-Katastrophe 83 Tote - Luftwaffenchef gefeuert
Lwiw/Moskau - Es gebe keinen Zweifel, dass die Schuldigen des Unglücks auf einem Flugplatz bei Lwiw (Lemberg) der Gerechtigkeit zugeführt werden müssten, sagte Kutschma im örtlichen Fernsehen. "Dies ist eine schreckliche Tragödie. Worte können dies nicht beschreiben. Es ist wie ein böser Traum." Der Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine zufolge entließ Kutschma seinen Luftwaffenchef Wolodimir Strelnikow.
Ein Flugzeug des Typs Suchoi Su-27 war am Samstag auf dem Flugplatz in einem Feuerball in eine Menschenmenge gerast.
Bis zum Sonntagmorgen hat das Flugunglück mindestens 83 Menschenleben gefordert. Unter den Toten waren 19 Kinder, teilte das Zivilschutzministerium in Kiew mit. 116 Menschen wurden verletzt. Der Gesundheitszustand von 23 Patienten in den Krankenhäusern von Lwiw wurde als kritisch beschrieben.
Die Behörden sprachen von mindestens 115 Verletzten, einige von ihnen im kritischen Zustand. Unter den Toten waren auch Kinder. Die beiden Piloten konnten sich in ihren Schleudersitzen retten. Das Unglück ist das folgenschwerste dieser Art in der Geschichte. In ukrainischen Medien wurde spekuliert, es habe Triebwerksprobleme gegeben. Kutschma sagte dagegen, es sei noch zu früh, um eine Unglücksursache zu nennen. Die Piloten seien erfahrene Profis. Er sprach sich für ein Ende militärischer Flugvorführungen aus.
Die Behörden untersuchten am Sonntag den Flugschreiber, der Aufschluss über die Unglücksursache geben könnte. Der Militärstaatsanwalt für die westliche Region leitete ein Ermittlungsverfahren ein.
Ein ehemaliger Militärberater Kutschmas, Wadim Hretschaninow, machte Interfax zufolge Sicherheitsmängel für die hohe Zahl der Opfer verantwortlich. Die Zuschauer hätten sich auf dem Flugplatz Skniliw nicht in dem für Notfälle erforderlichen Sicherheitsabstand aufgehalten. Auf die Zuschauer war ein Trümmerregen niedergegangen, einige der Leichen waren in Stücke gerissen.
Aus dem Tiefflug heraus stürzte die Maschine in die Menschenmenge
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Mehr als 60 Menschen sterben in den Flammen
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Überall auf dem Flugplatzgelände quälen sich Verletzte - sie können nicht schnell genug in die Krankenhäuser gebracht werden
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Die Sanitäter sind nahezu machtlos angesichts der Lage
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Augenzeugen berichteten, dass der Kampfjet vom Typ Suchoi Su-27 beim Tiefflug über die Piste des Flughafens eine abgestellte Maschine gestreift hatte. Als die Maschine daraufhin ins Trudeln geriet, retteten sich die beiden Piloten per Schleudersitz. Das führerlose Kampfflugzeug überschlug sich anschließend mehrfach auf dem Flugfeld, ehe es in die Menge stürzte und explodierte. Auf Fernsehbildern war zu erkennen, wie sich eine brennende Wolke von Kerosin über die Zuschauer ergoss.
Einer der Zuschauer sagte, er habe nur noch sein Kind geschnappt und es festgehalten. "Wir wurden weggeschleudert, und Hände und Füße flogen um uns herum", berichtete der Mann. Wie sein Kind wurde er am Rücken verletzt. Einer der Helfer sagte: "Das Feuer ist gelöscht, doch es gibt viel Blut."
Die beiden Piloten blieben nach Angaben der Behörden unversehrt. Nach Angaben aus Militärkreisen galten die beiden Obristen als erfahrene und versierte Kampfflieger.
Die Flugschau war zum 60. Jahrestag der Gründung des 14. Korps der ukrainischen Luftwaffe organisiert worden. Lwiw feierte an diesem Samstag zudem den 58. Jahrestag der Befreiung durch die Rote Armee. 15.000 Zuschauer befanden sich zum Zeitpunkt der Katastrophe auf dem Flugplatz.
Das Unglück erinnert an die Katastrophe bei einer Flugschau im pfälzischen Ramstein bei Kaiserslautern im August 1988. Beim Absturz von zwei italienischen Düsenjägern waren 70 Menschen getötet und mehrere hundert verletzt worden.
Beileidstelegramme auch aus Deutschland
Der russische Präsident Wladimir Putin sandte nach Angaben seines Pressebüros ein Beileidstelegramm an Kutschma. Auch Bundespräsident Johannes Rau und Bundeskanzler Gerhard Schröder äußerten in Telegrammen an Kutschma Bestürzung und Trauer über das Unglück. Im Namen des deutschen Volkes übermittelte er sein tief empfundenes Beileid, schrieb Rau. Seine Gedanken seien bei den Familien, Angehörigen und Freunden der Toten und Verletzten.