Flugzeugunglück nahe Sotschi: Russland gedenkt der 92 Toten
Absturz über dem Schwarzen Meer Behörden gehen von Pilotenfehler oder technischem Versagen aus
Nach dem Absturz einer russischen Passagiermaschine über dem Schwarzen Meer hat Präsident Wladimir Putin für Montag einen landesweiten Tag der Trauer für die 92 Toten angeordnet. Er hatte am Sonntag den Familien und Freunden der Toten sein Beileid ausgesprochen. Es werde "eine genaue Untersuchung der Ursachen der Katastrophe geben", sagte der Präsident. Putin ordnete die Einsetzung einer Untersuchungskommission an.
Zur möglichen Absturzursache sagte der russische Verkehrsminister Maxim Sokolow, ein Fehler des Piloten oder technisches Versagen habe das Unglück wahrscheinlich verschuldet. In einer Fernsehansprache erklärte Sokolow, er halte einen Terroranschlag für unwahrscheinlich. Ein Attentat gehöre nicht zu den Theorien, denen hauptsächlich nachgegangen werde, so der Minister.
Die Maschine vom Typ Tupolew Tu-154 war in Moskau gestartet und auf dem Weg in das Bürgerkriegsland Syrien, in dem Russland die Truppen des Machthabers Baschar al-Assad unterstützt. In Sotschi am Schwarzen Meer hatte das Flugzeug eine Zwischenlandung eingelegt und war nach Militärangaben um 5.25 Uhr Ortszeit (3.25 Uhr MEZ) wieder gestartet. Zwei Minuten später riss der Kontakt demnach ab.
Sollte der Armeechor auch in Aleppo auftreten?
Am Sonntag hatte Verkehrsminister Sokolow mitgeteilt, die Maschine habe vor ihrem Verschwinden von den Radarschirmen kein Notsignal mehr abgesetzt. Die Trümmer schwämmen im Schwarzen Meer nahe der Küste über mehrere Kilometer. Sokolow erklärte das mit starker Strömung. Die Flugschreiber seien noch nicht geortet worden.
Etwa 3000 Rettungsleute auf 27 Schiffen suchten die Küste vor dem Ferienort Sotschi ab. Bis zum Sonntagnachmittag wurden zwölf Leichen geborgen. Die Leichen sollten am Montagmorgen nach Moskau geflogen werden. Militär und zivile Retter suchten auch die Nacht über nach Trümmerteilen und Vermissten. Mit dem ersten Tageslicht sollten weitere Taucher und Suchteams eingesetzt werden.
Zu den Passagieren des Flugs nach Syrien gehörten mehrere Dutzend Sänger, Tänzer und Orchestermitglieder des weltbekannten Alexandrow-Armeechors, die zu einem Neujahrskonzert auf dem russischen Luftwaffenstützpunkt im syrischen Hamaimim fliegen sollten. Eine zweite Maschine mit weiteren Musikern sei planmäßig in Hamaimim gelandet, berichtete die Zeitung "Nowaja Gaseta".
In russischen Medien wurde gemutmaßt, dass der Chor ein Konzert in Aleppo geplant haben könnte. Anfang Mai hatte das russische Militär den Stardirigenten Waleri Gergijew und sein Orchester zu einem Konzert in die syrische Wüstenstadt Palmyra geflogen.
Russland kämpft seit Herbst 2015 im Syrienkrieg. Die militärischen Verluste waren dabei nach offiziellen Angaben begrenzt. Zur Versorgung der Basis Hamaimim in der Provinz Latakia betreibt das Verteidigungsministerium einen regen Luftverkehr. Dabei werden auch veraltete Zivilflugzeuge wie die 1983 gebaute Tupolew eingesetzt.
Syriens Machthaber Assad hatte Putin bereits am Sonntag kondoliert. Er sei "extrem traurig" über den Absturz, der den Kampf gegen militante Islamisten nicht beeinträchtigen würde. Assad und Putin sind Verbündete, zuletzt hatte die russische Armee Assad bei der Rückeroberung Aleppos unterstützt. Zuvor war auch die syrische Wüstenstadt Palmyra von der russischen Armee vom IS zurückerobert worden.