Flugzeugentführung: Vier Geiseln konnten fliehen - DER SPIEGEL
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Flugzeugentführung Vier Geiseln konnten fliehen

Das Entführungsdrama spitzt sich zu: Am späten Dienstagabend haben sich vier Männer, darunter der Pilot, aus dem Cockpit-Fenster der gekidnappten Boeing 727 abgeseilt. Die Geiselnehmer blieben ruhig. Die Maschine mit über 150 Geiseln steht seit Montag auf dem englischen Flughafen Stansted bei London.
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London - Polizeisprecher Joe Edwards bezeichnete die Flucht der Geiseln als "spontan". Bei den Personen handelt es sich um den Piloten, den Kopiloten und weitere Crew-Mitglieder. Die Männer hätten sich an einer kurzen Strickleiter über einen Notausstieg auf die Rollbahn herabgelassen. Sie wurden medizinisch untersucht und später von der Polizei vernommen.

Nach offiziellen Angaben sind sechs bis zehn Entführer an Bord der im afghanischen Kabul gekaperten Maschine. Sie haben immer noch 151 Menschen in ihrer Gewalt, darunter 21 Kinder.

Die Flucht der vier Geiseln hat nicht zu einer Eskalation der Lage geführt. Edwards sagte am Mittwochmorgen, die Stimmung bleibe ruhig. Die Verhandlungen mit den Entführern wurden während der Nacht fortgesetzt.

In den britischen Medien wurde zunehmend darüber spekuliert, dass die Entführer in Großbritannien Asyl beantragen wollten. Drei freigelassene Geiseln haben dies nach offiziell unbestätigten Berichten schon getan. Einige der sechs bis zehn Entführer sollen Familienmitglieder unter den Geiseln haben.

Die Polizei hat den Entführern offenbar versprochen, sie nicht nach Afghanistan zurückzuschicken, falls sie sich ergeben sollten. In ihrer Heimat erwarte sie wahrscheinlich die Todesstrafe. Bei den Luftpiraten gehe es wohl eher um "Männer, die ihre eigene Haut retten wollten als um islamische Fanatiker", meldete die britische Nachrichtenagentur PA unter Berufung auf eine Polizeiquelle. Gesicherte Erkenntnisse über die Motive der Täter gebe es aber immer noch nicht.

Am Dienstagnachmittag hatten die Entführer einen etwa 45 Jahre alten Passagier freigelassen, der an Asthma litt. Damit stieg die Zahl der in London freigesetzten Geiseln auf neun. Alle Passagiere sollen Afghanen sein.

Eine gewaltsame Befreiung der Geiseln will die britische Regierung nach Presseberichten erst in Erwägung ziehen, wenn die Entführer mit dem Erschießen von Geiseln drohen sollten. Die Maschine ist von bewaffneten Anti-Terroreinheiten umstellt. Auch die Spezialtruppe Special Air Services (SAS) soll nach unbestätigten Berichten vor Ort sein.

Die Maschine der Fluggesellschaft Ariana Afghan war nach einem Irrflug über Usbekistan, Kasachstan und Moskau in London-Stansted gelandet. Unbestätigten Berichten zufolge hatten die sechs Entführer zunächst die Freilassung des Taliban-Gegners Ismail Khan verlangt, der seit 1997 in Kandahar in Haft sitzt.