Flugzeugkatastrophe: Tauchroboter sollen Black Box bergen - DER SPIEGEL
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Flugzeugkatastrophe Tauchroboter sollen Black Box bergen

Traurige Gewissheit für die Hinterbliebenen: Die im Atlantik gefundenen Wrackteile gehören definitiv zum vermissten Airbus von Air France. Noch an diesem Mittwoch sollen Marineschiffe die Absturzstelle erreichen und die Bergung beginnen - der Flugschreiber könnte 3000 Meter tief gesunken sein.
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Rio de Janeiro - Nun herrscht traurige Gewissheit: Der vermisste Air-France-Jet ist in den Atlantik gestürzt und zerschellt. Dem brasilianischen Verteidigungsminister Nelson Jobim zufolge gehören die von der Luftwaffe des Landes rund 1200 Kilometer vor Brasiliens Festlandküste entdeckten Wrackteile zweifelsfrei zu der abgestürzten Air-France-Maschine. Militärflugzeuge hätten über eine Strecke von fünf Kilometer verstreute Überreste gefunden. Dies zeige, dass das Flugzeug an dieser Stelle abgestürzt sei.

Brasilien und Frankreich bemühen sich nun, so schnell wie möglich die Flugzeugteile zu bergen und nach den Opfern des Absturzes zu suchen. Mehrere Marineschiffe haben Kurs auf das Seegebiet rund 500 Kilometer nordöstlich der Insel Fernando de Noronha genommen. Noch in der Nacht suchte eine Maschine der brasilianischen Luftwaffe die Wasseroberfläche mit Nachtsichtgeräten ab. Drei Maschinen sollen am Morgen eingesetzt werden.

Ein erstes Schiff der brasilianischen Marine wird an diesem Mittwoch im Absturzgebiet erwartet. Die Schiffe könnten nicht schneller am Einsatzort sein, sagte der brasilianische Verteidigungsminister Jobim. Sie sollten dann aber sofort mit den Bergungsarbeiten beginnen. Die Suche nach dem Flugschreiber der Maschine werde nicht einfach, denn das Gerät könne in 2000 bis 3000 Meter Meerestiefe gesunken sein, sagte der Minister - und der Apparat sendet nicht unbegrenzt Signale. Generell dürften sich die Bergungsarbeiten als äußerst schwierig erweisen. Der Atlantik ist nach Angaben eines brasilianischen Ozeanologen an der Stelle bis zu 4000 Meter tief. Allerdings schwankt die Tiefe, weil der Atlantik in der Nähe der Fundstelle von Meeresgebirgen durchzogen ist wird. Auch die starke Strömung müsse bei der genauen Ortung des Wracks berücksichtigt werden.

An der Absturzstelle sind auch drei Handelsschiffe, zwei niederländische und ein französisches. Möglicherweise können sie bei der Bergung der Wrackteile helfen. Am Freitag und Samstag sollen zusätzlich zwei französische Militärschiffe das Seegebiet der Absturzstelle erreichen, außerdem wurde sofort nach der Sichtung der Wrackteile ein Spezialschiff in die Region geschickt. Es ist mit Tauchrobotern ausgestattet, die noch in einer Tiefe von 6000 Metern arbeiten können. Mit ihnen ließen sich 97 Prozent des Meeresbodens untersuchen, sagte Verkehrsminister Jean-Louis Borloo. Frankreich wird die Untersuchung des Unglücks in Kooperation mit Brasilien leiten.

An Bord des Flugzeugs waren 228 Passagiere, darunter 26 Deutsche. Es ist die größte zivile Luftfahrt-Katastrophe seit 2001, als beim Absturz einer American-Airlines-Maschine kurz nach dem Start in New York 265 Menschen ums Leben kamen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hat keiner der Passagiere das Unglück überlebt. Der brasilianische Verteidigungsminister Jobim wollte aber nicht über die Überlebenschancen sprechen: "Die Suchoperation basiert auf Fakten und Resultaten, nicht auf Hypothesen", sagte er.

Die brasilianische Regierung ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. Dadurch solle der Opfer des Flugzeugunglücks gedacht werden, sagte Vizepräsident José Alencar, der während eines Auslandsaufenthaltes von Staatschef Luiz Inácio Lula da Silva in Guatemala auch amtierender Präsident Brasiliens ist.

Die Absturzursache ist weiter unklar. Die Maschine war am Sonntag von Rio de Janeiro mit Ziel Paris gestartet. Über dem Atlantik verloren die Flugsicherheitsbehörden dann in der Nacht jeden Kontakt zu der Maschine. Die Maschine sendete gut drei Stunden nach dem Start in Rio de Janeiro nur ein Dutzend automatischer Fehlerwarnungen. Demnach sollen alle Systeme binnen drei Minuten außer Betrieb gewesen sein.

Es wird darüber spekuliert, ob ein Blitzschlag den Absturz verursacht haben könnte - was Experten allerdings für unwahrscheinlich halten. Letztlich wird nur die Blackbox des Flugzeuges mit dem Flugschreiber und dem Cockpit-Stimmrekorder genauen Aufschluss geben können.

sac/afp/dpa/Reuters