Flugzeugunglück 118 Tote in Mailand
Mailand - Die Maschine vom Typ Cessna 525 A mit vier Menschen an Bord, darunter zwei Deutschen, war bei dichtem Nebel irrtümlich auf die Startbahn geraten. Dort wollte die SAS-Linienmaschine mit 110 Menschen an Bord um 8.14 Uhr gerade abheben. Keiner der Insassen beider Maschinen überlebte das Inferno, außerdem starben mindestens fünf Flughafenarbeiter. Italienische und deutsche Behörden schlossen einen Terroranschlag als Ursache aus.
Fluglotsen in Mailand erklärten, das Bodenradar zur Verfolgung von Starts und Landungen sei schon seit einem Jahr ausgefallen. Dies könne bei extrem schlechter Sicht zu der Katastrophe beigetragen haben. Italienische Behörden sprachen von menschlichem Versagen. Die Staatsanwaltschaft eröffnete Ermittlungen wegen Fahrlässigigkeit. Die Rettungsmannschaften seien umgehend tätig geworden, "doch es war unmöglich, jemanden zu retten. Sie sind alle tot", sagte der italienische Verkehrsminister Pietro Lunardi. Die Bergung der Toten gestaltete sich wegen des Feuers schwierig. Über der Unglücksstelle hingen dichte schwarze Rauchwolken. Außerdem waren der Rumpf und das Cockpit schwer zugänglich. Der Flughafen sollte bis Mitternacht geschlossen bleiben.
Das SAS-Flugzeug vom Typ MD 87 (Boeing/McDonnell Douglas) kam nach Angaben der Behörden durch den Aufprall von der Startbahn ab, drehte sich zur Seite und prallte in einen Hangar für die Gepäckabfertigung. "Dort brach die Maschine in drei Teile", sagte ein Augenzeuge. Die SAS-Maschine sei mit einem ohrenbetäubendem Krachen in das Gebäude gefahren, unmittelbar danach sei das Flugzeug in einem Feuerball explodiert. Die Flammen hätten sofort den Bug der Maschine zerstört. Die Schwere des Unglücks wurde wenig später bekannt, als die schwedische Nachrichtenagentur TT nach einem Anruf beim Mailänder St. Raffael-Krankenhaus dessen Sprecher zitierte, es seien überhaupt keine Verletzten eingeliefert worden. "Das ist kein gutes Zeichen", hatte der Sprecher gesagt.
Mehrere Arbeiter in dem Gepäckhanger wurden zum Teil schwer verletzt aus dem Gebäude gerettet. "Ich sah brennende Arbeiter aus dem Hangar rennen", sagte ein Augenzeuge. Wegen des dichten Nebels konnten keine Rettungshubschrauber starten und landen. "Es waren noch Stunden nach dem Unglück Hilfeschreie von Überlebenden in den Trümmern zu hören", berichtete das italienische Fernsehen. Über 60 Leichen wurden vorübergehend in ein nahe gelegenes Gebäude gebracht. In dem Geschäftsjet vom Typ Cessna 525 A, die zuvor angeblich aus Köln gekommen war und in Richtung Paris starten wollte, waren zwei Deutsche und zwei Italiener.
Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) schloss nach einem Telefongespräch mit seinen Amtskollegen Claudio Scajola einen Terroranschlag als Ursache aus. "Das war ein tragischer Unfall. Ein terroristischer Hintergrund ist auszuschließen." Es war das bisher schwerste Unglück auf dem Flughafen Linate, der sieben Kilometer östlich von Mailand liegt und wegen häufigen Nebels berüchtigt ist. "Die SAS-Maschine hatte schon auf volle Geschwindigkeit beschleunigt, der vordere Teil des Flugzeug hatte bereits von der Startbahn abgehoben", sagte ein Sprecher der italienischen Flugsicherheit.
"Wegen der extrem schlechten Sicht haben sich beide Piloten erst in letzter Sekunde gesehen." Es sei aber bereits zu spät gewesen, einen Zusammenprall zu verhindern. Warum die Cessna auf die falsche Landebahn geriet, war zunächst unklar. Unbestätigten Berichten zufolge habe der Pilot dem Tower einen falschen Standort angegeben, daraufhin habe die SAS-Maschine Freigabe für ihren Start erhalten.
Die Fluglinie SAS, die von Dänemark, Norwegen und Schweden gemeinsam betrieben wird, war im Sommer wegen einer ungewöhnlichen Häufung von Beinahe-Unglücken in Schlagzeilen geraten. SAS wies in Stockholm alle Vorwürfe von Sicherheitsmängeln zurück. Drei Flugzeuge mit Spezialisten wurden nach Italien geschickt. Die Experten sollten die Ursache der Kollision klären und sich um die Angehörigen kümmern. Auf dem Kopenhagener Flugplatz Kastrup wurde ein Krisenzentrum für Betroffene eingerichtet. Angehörigen sollte auch der sofortige Flug nach Mailand ermöglicht werden. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte, ein Konsularbeamter sei vor Ort in Mailand.