Flutkatastrophe Entspannung, aber keine Entwarnung
In einigen Gebieten in Norditalien steige das Hochwasser nicht mehr weiter an oder sei gar leicht zurückgegangen, meldete das italienische Fernsehen. Außerdem habe es aufgehört zu regnen. Dennoch herrsche in weiten Teilen des Piemont und im Aostatal der Alarmzustand.
In der Stadt Aosta bargen die Rettungsmannschaften zwei weitere Leichen. Eines der Opfer ist nach Angaben der Behörden ein einjähriges Mädchen. Damit erhöhe sich die Zahl der Toten bei den schweren Unwettern in Italien auf 14. Noch immer würden 13 Menschen vermisst, meldete das staatliche Fernsehen.
Die Regierung in Rom hatte am Montagabend den Notstand ausgerufen. Dadurch sollen schnelle Hilfen für die Bevölkerung gewährt werden. Die Schulen in den betroffenen Regionen bleiben auch am Dienstag geschlossen. Der Fluss Po stieg an seinem Unterlauf weiter an. In Piacenza wurden erste Bewohner evakuiert.
In der Schweiz standen im Kanton Tessin immer mehr Stadtviertel und Dörfer unter Wasser. Im Wallis fanden die Retter nach dem verheerenden Erdrutsch bislang keinen der insgesamt elf Vermissten. In der Schweiz sind durch Schlammlawinen und Hochwasser mindestens drei Menschen ums Leben gekommen.
Bei der Räumung der Zufahrtsstraße zum Unglücksdorf Gondo haben Aufräumarbeiter nach Radioberichten mehrere Leichenteile entdeckt. Trotzdem haben die rund 70 Helfer in dem am Samstag von einer Schlammlawine verwüsteten Walliser Dorf die Hoffnung noch nicht aufgegeben, doch noch Überlebende zu bergen. Wie die Kantonspolizei mitteilte, haben die Retter jedoch seit Stunden kein Lebenszeichen mehr von einer eingeschlossenen Frau gehört. Außerdem können die Helfer aus Sicherheitsgründen nicht überall im Dorf graben.
Unterdessen haben sich rund 200 Feriengäste aus dem durch Hochwasser und Erdrutsche von der Außenwelt abgeschnittenen Schweizer Ferienort Zermatt ausfliegen lassen. Wie der Einsatzstab in Zermatt berichtete, wollen noch weitere 700 Menschen die Luftbrücke nutzen.
In den Hochwasserregionen des Kantons Tessin besteht für Lastwagen ein teilweises Fahrverbot. Sollte das Wasser steigen, könnte auch Locarno am Lago Maggiore bald von der Außenwelt abgeschnitten sein. Der Pegel des Sees war in der Nacht auf Dienstag auf ein neues Rekordniveau geklettert, danach aber wieder leicht gesunken.