Sechs Wochen nach der Flut: im Ahrtal sind selbst wichtigste Teile der Infrastruktur nach wie vor kaputt. In der Gemeinde Mayschoß wurde die örtliche Kläranlage durch die Flut teilweise zerstört. Ein großer Teil des Abwassers aus den Häusern fließt deshalb im Moment ungeklärt in die Ahr. Das Deutsche Rote Kreuz hat deshalb eine temporäre Anlage aufgebaut.
Kurt Saygin, Ingenieur beim Deutschen Roten Kreuz:
»Das Grundprinzip dieser Anlage ist das sogenannte Belebtschlammverfahren. Das heißt, wir haben es mit einer größtenteils biologischen Aufbereitung zu tun. Aber selbstverständlich haben wir auch noch Pumpen, Filter, Vorklärung, das sind dann mechanische Aufbereitung.«
Die mobile Kläranlage soll das Abwasser von rund 600 Personen in Mayschoß aufbereiten. Denn das verunreinigte Wasser könnte die Menschen krank machen.
Kurt Saygin, Ingenieur beim Deutschen Roten Kreuz:
»Das Problem bei wasserwirtigen Krankheiten, also potenziellen Seuchenkrankheiten ist, dass man sie zwar mit Ärzten bekämpfen, aber nur mit Ingenieuren besiegen kann. Eine zuverlässige Trinkwasseraufbereitung und eine verlässliche Abwasserentsorgung sind der Grundstein dafür, dass man solche Krankheiten überhaupt gar nicht erst bekommt. Wie das auch bei uns in Deutschland flächendeckend der Fall ist.«
In der Kläranlage laufen die gleichen Prozesse ab wie in jedem herkömmlichen Klärwerk auch. Die mobilen Anlagen hält das Rote Kreuz normalerweise für Katastropheneinsäte im Ausland vor.
Kurt Saygin, Ingenieur beim Deutschen Roten Kreuz:
»Abwassertechnisch ist das Ahrtal durch das Hochwasser circa 100 Jahre zurückversetzt worden. (…) Eine komplette Restaurierung auf den Zustand vor dem Hochwasser wird unter Garantie mehrere Jahre in Anspruch nehmen, das ist jetzt schon klar.«
Rund sechs Wochen nach der verheerenden Flutwelle sieht es im Ahrtal immer noch so aus. Die betroffenen Menschen sanieren seit Wochen ihre Häuser, die Kräfte schwinden.
In Bad Neuenahr-Ahrweiler werden nach Angaben des örtlichen Energiebetreibers etwa 3500 Haushalte erst im Dezember wieder ans Gasnetz angeschlossen. Viele Opfer der Hochwasserkatastrophe müssen wohl im Herbst und Winter ohne Zentralheizung auskommen.