Flutkatastrophe: Notstand in Norditalien - DER SPIEGEL
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Flutkatastrophe Notstand in Norditalien

Wegen anhaltender Überschwemmungen hat die italienische Regierung im Norden des Landes den Notstand ausgerufen. In der Schweiz werden immer noch viele Menschen vermisst. Im Bergdorf Gondo haben Rettungskräfte die Nacht durch nach einer verschütteten Frau gegraben.
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Zürich/Turin - In den norditalienischen Unwettergebieten zeichnet sich eine erste Entspannung ab. In einigen Gebieten steige das Hochwasser nicht mehr weiter an oder sei gar leicht zurückgegangen, meldete das italienische Fernsehen. Dennoch herrsche in weiten Teilen des Piemont und im Aostatal der Alarmzustand. Nach wie vor würden 15 Menschen vermisst, zwölf Menschen kamen ums Leben.

Die Regierung in Rom hatte am Montagabend den Notstand ausgerufen. Dadurch sollen schnelle Hilfen für die Bevölkerung gewährt werden. Die Schulen in den betroffenen Regionen bleiben auch am Dienstag geschlossen.

Durch Schlammlawinen und Hochwasser sind in der Schweiz mindestens drei Menschen ums Leben gekommen. Zwölf Personen werden noch vermisst, davon elf in Gondo. In der Nacht zum Dienstag arbeiteten sich Rettungskräfte in Gondo weiter zu einer seit Tagen unter Häusertrümmern verschütteten Frau vor. Mit Sägen, Schaufeln und ihren Händen gruben die Helfer in Gondo langsam und vorsichtig einen Tunnel durch die Trümmer eines vierstöckigen Hauses, das bei einem Erdrutsch zerstört worden war. Eine falsche Bewegung könnte zu einem neuen Einsturz führen und die Frau töten, sagte ein Polizeisprecher. Helfer hatten zunächst Klopfzeichen und dann Schreie der Frau vernommen.

Das Aostatal in Oberitalien war nach fünf Regentagen am schwersten vom Hochwasser betroffen. Flüsse und Bäche schwollen zu Strömen an und traten über ihre Ufer. Zerstörte Berghütten und ganze Dörfer steckten tief im Schlamm. "Von uns Alten hat noch keiner so etwas erlebt", sagte ein Mann im italienischen Fernsehen. Rund 7000 Rettungskräfte waren im Einsatz, um rund 7500 Menschen aus den überschwemmten Gebieten zu evakuieren.

Südlich des Aostatals in Turin, wurden alle Brücken zum Stadtzentrum geschlossen, weil der Fluss Po und seine Zuflüsse über ihre Ufer zu treten drohten. Fiat schloss drei seiner Fabriken und rechnete nicht vor Dienstagnachmittag mit einer Wiederaufnahme der Produktion. Der Energieversorger Enel teilte mit, dass rund 30.000 Menschen zeitweise nicht mehr mit Strom versorgt werden konnten. Experten bezifferten die Schäden in der Landwirtschaft auf rund knapp zwei Milliarden Mark.